Serie: Peer-to-Peer Learning – wie organisiere ich einen Working Out Loud Circle?

Gemeinsam lernt es sich am besten – was schon in der Schule stimmte, setzt sich auch in der Arbeitswelt oder im Ehrenamt fort. Denn: Wer anderen etwas erklären kann, hat es wirklich verstanden!

Und: Gerade in Zeiten der Digitalisierung lernt man nie aus. Häufig stehen wir in unseren Organisationen oder Unternehmen vor Herausforderungen, internen oder externen Widerständen, wenn wir uns in Sachen „Digitalisierung“ auf den Weg machen wollen. Oder man weiß gerade selbst nicht genau, welche Punkte man innerhalb der komplexen Gemengelage als nächstes angehen sollte.

Das Gute: Es gibt viele Formate, mit denen man auch nach Schule und Uni seinen Horizont durch gemeinsames Lernen erweitern kann. Häufig spricht man dabei vom sogenannten Peer-to-Peer-Learning. Das bedeutet, dass Menschen mit ähnlichen Zielsetzungen, Problemstellungen oder Herausforderungen zusammenkommen, um auf Augenhöhe und hierarchiefrei gemeinsam Lösungen zu finden.

In dieser neuen Serie möchten wir euch einige dieser Formate vorstellen. Vom Barcamp über die Nightshift, vom Hackathon bis hin zur Lean Coffee Methode – in den nächsten Wochen erfahrt ihr alles, was ihr jemals über Peer-to-Peer-Formate wissen wolltet – und vieles mehr.

Die Grundprinzipien des Peer-to-Peer Learnings

Photo by Marvin Meyer on Unsplash

Zu Beginn geben wir euch eine kurze Einführung in das Peer-to-Peer Konzept (kurz: P2P) und welche Aspekte man für eine erfolgreiche Umsetzung beachten sollte.

  • Alle Teilnehmenden sind aktiv am Lernprozess beteiligt und übernehmen Verantwortung für das Gelingen des Prozesses und ihre persönlichen Lernerfolge
  • Der Dialog auf Augenhöhe und das Teilen von Wissen bilden das entscheidende Lernelement.
  • P2P-Learning ist ein wechselseitiger, aktiver Austausch unter Gleichen auf Augenhöhe. Der soziale Lernprozess basiert auf dem Vertrauen in das Wissen und auf den Erfahrungen aller Beteiligten und orientiert sich an ihren Bedarfen – und an nichts anderem!

Wie organisiere ich eine Peer-to-Peer Veranstaltung?

Photo by Duy Pham on Unsplash

Bei der Planung und Umsetzung jeglicher Veranstaltungsformate solltet ihr vorab eine grobe Kosten-Nutzen-Analyse starten. Die wichtigsten Aspekte dabei sind:

  • Umfang: Wie viele Menschen sollen eingebunden sein?
  • Personal: Wie viele Menschen können mich in meiner Organisation bei der Vorbereitung unterstützen?
  • Zeit: Wie viel Zeit habe ich für die Vorbereitung und Durchführung?
  • Kosten: Welche Kosten müssen wir einplanen?
  • Turnus: Wie oft soll so ein Peer-to-Peer-Format stattfinden? Wie sind eure Kapazitäten?

In den kommenden Wochen möchten wir euch einige spannende P2P-Formate vorstellen und euch natürlich auch pro vorgestelltem Format die Antworten auf diese wichtigen Leitfragen bieten. Den Anfang macht eine aktuell sehr beliebte Methode – das sogenannte Working Out Loud!

Was bedeutet Working Out Loud?

Photo by Clem Onojeghuo on Unsplash

Working Out Loud ist ein Prinzip des gemeinsamen Lernens und des Networkings. Working Out Loud bietet einige Methoden und Arbeitswerkzeuge, die einer Gruppe von Menschen dabei helfen sollen, gemeinsam, agil und langfristig vernetzt zu arbeiten. Das Grundprinzip basiert darauf, dass alle Teilnehmenden ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Expertise einbringen, um für alle eine fruchtbare Zusammenarbeit in einem wachsenden Netzwerk zu gestalten. Sprich: Statt schnödem Netzwerken geht es um den Aufbau von langfristigen Beziehungen.

So organisiert ihr eine Working Out Loud Runde!

Mithilfe von insgesamt fünf Grundprinzipien soll ein offener und kollaborativer Lernraum geschaffen werden, in dem sich die drei bis fünf Teilnehmenden wohl fühlen und offen miteinander in den Austausch gehen können. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen verfolgen sie das gemeinsame Ziel, miteinander zu lernen und ihre Erfahrungen zu teilen. Dafür treffen sie sich eine Stunde pro Woche – online oder offline, um sich gegenseitig auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen. Denn: Die einzelnen Teilnehmenden verfolgen beim WOL ein individuelles Ziel, deren Fortschritt sie in den Treffen mit ihren Mitstreiter:innen teilen. In jeder Woche wird ein anderer Fokus gesetzt, sodass der Prozess gut vorstrukturiert ist.

Die fünf Grundprinzipien des Working Out Loud

Beziehungen
Die Teilnehmenden stehen untereinander in engem und regelmäßigem Kontakt, bei dem der Austausch von Wissen, Erfahrungen aber auch Meinungen und Ideen im Vordergrund steht. Jeder trägt zu diesem Austausch bei und gestaltet dementsprechend aktiv Beziehung und Netzwerk.

Großzügigkeit
Alle Teilnehmenden sind bereit, andere großzügig am eigenen Wissensschatz teilhaben zu lassen. Somit profitieren alle Beteiligten, lernen voneinander und entwickeln gemeinsame Lösungen.

Sichtbare Arbeit
Die individuelle Arbeit wird für die anderen Teilnehmenden sichtbar und damit verständlich. Eine sichtbare Arbeitsweise verdeutlicht Zusammenhäng und lässt ein größeres Verständnis entstehen. Hierbei steht nicht die Profilierung durch eigene Ergebnisse Vordergrund.

Zielgerichtes Verhalten
Innerhalb von WOL geht es darum, dass alle Teilnehmenden ihr eigenes persönliches Ziel verfolgen soll. Dies kann einerseits das Lösen eines Problems sein oder der Erwerb von neuem Wissen und Fähigkeiten.

Wachstumsorientiertes Denken
Die Teilnehmenden sollen WOL als Chance für einen Blick über den eigenen Tellerrand erkennen und nach Möglichkeiten zur individuellen Anwendung suchen – und nicht nach Problemen und Herausforderungen.

Quelle: https://workingoutloud.com

So läuft ein WOL-Circle ab

Zwölf Wochen, zwölf Treffen, zwölf Stunden – so lautet das Basisrezept für einen Working Out Loud Circle. Wie bereits angedeutet, verfolgt beim WOL jede:r einzelne Teilnehmer:in eine individuelle Zielsetzung und teilt dann Fortschritt und etwaige Misserfolge und Lerneffekte in der Gruppe.

Zu Beginn des WOL-Circles sollte jede:r Teilnehmende folgende drei Fragen für sich beantworten:

  • Was möchte ich erreichen?
  • Welche Menschen in meinem engeren oder weiteren Umfeld sind mit meinem Ziel verbunden?
  • Wie kann ich dazu beitragen, unsere Beziehungen zu vertiefen?

Ob das Ziel beruflicher oder privater Natur ist, können die Beteiligten selbst entscheiden. Haben die Teilnehmenden diese Fragen für sich geklärt, startet der Working Out Loud Circle.

Die zwölf Wochen des WOL Circles

Während der kommenden zwölf Wochen treffen sich die Beteiligten analog oder digital und bearbeiten jede Woche einen anderen Fokus ihres individuellen Ziels. Dabei richten sie sich nach dem sogenannten „Circle Guide“, der hier kostenfrei einsehbar ist: https://workingoutloud.com/de/circle-guides .

Der Circle Guide gibt relativ genaue Übungsanleitungen für die Gestaltung der jeweiligen Treffen. Aber nicht nur das: Hier gibt es außerdem spannende Fragestellungen, Listen und Moderationshinweise, die euch die Planung und Durchführung der einzelnen Wochentermine erleichtern. Geht es zu Beginn des Circles vor allem darum, wichtige Menschen und Netzwerke zu identifizieren, die euch eurem Ziel näher bringen können, geht es später auch ganz konkret um das, was ihr in diese Netzwerke einbringen könnt – seien es Blogbeiträge oder der Kontakt auf sozialen Medien. Schaut also unbedingt einmal vorbei!

Ganz wichtig: Die einzelnen Sessions sind komplett selbstorganisiert. Es gibt zwar Hinweise zur Moderation, aber die Durchführung ist euch überlassen. Ihr braucht mehr Zeit für einen Agendapunkt? Dann nehmt sie euch. Oder ihr möchtet die Aufgaben zu Hause vorbereiten und im Treffen nur darüber diskutieren? Auch das steht euch frei – wenn alle Teilnehmenden damit einverstanden sind.

Ob ihr euch digital per Skype oder Hangout oder klassisch analog treffen möchtet, ist ebenfalls dem Circle überlassen. Beide Varianten bringen Vor- und Nachteile mit sich. Die einzige „Regel“, die ihr beachten solltet: Der Circle sollte nicht mehr als fünf Personen beinhalten, damit in der einen Stunde auch wirklich jede:r zu Wort kommen kann. Auch der lang erscheinende Zeitraum von 12 Wochen ist ganz bewusst so gewählt. Denn ein wichtiges Ziel beim WOL ist es, nicht nur neue Techniken und Strategien zu erlernen, sondern sie auch zur Gewohnheit werden zu lassen. Auch dafür sind innerhalb der zwölf Wochen Übungen vorgesehen.

Wie findet ihr einen WOL Circle?

Es gibt viele Möglichkeiten, um einen Circle zu finden. Wer in seinem persönlichen Umfeld nicht fündig wird – oder wer einfach über den persönlichen Tellerrand schauen möchte – kann sich in verschiedenen Gruppen auf Facebook, LinkedIn oder XING nach Gleichgesinnten umsehen.

Auch ein Aufruf in eurem Netzwerk – zum Beispiel via Twitter – kann dabei sehr erfolgsversprechend sein. Analog gibt es mittlerweile in vielen Städten WOL-Meet-ups, in denen man nicht nur Teilnehmende finden kann, sondern die auch zum Erfahrungsaustausch während des WOL-Circles nützlich sind.

Zusammenfassung: Darauf solltet ihr bei der Organisation eines WOL-Circles achten

Aufwand: Die Herausforderung besteht zunächst darin, einen „Circle“ und sein individuelles Lernziel zu finden. Davon abgesehen ist die Vorbereitung durch die klare Struktur und Vorgaben recht gering

Schwierigkeitsgrad: Alle Teilnehmenden müssen sich für den abgesteckten Zeitraum zum Mitmachen verpflichten – und dann auch dabeibleiben. Abgesehen davon sollten sich in der Vorbereitung keine größeren Schwierigkeiten ergeben.

Kosten: Sehr gering. Der größte Kostenpunkt ist die zeitliche Ressource. Weitere Aufwendungen oder Anschaffungen müsst ihr hierzu nicht zu tätigen.

Personalbedarf: Sehr gering, da die Teilnehmenden den WOL Circle selbst durchführen und weder zur Vor- oder Nachbereitung noch weitere Personen benötigt werden.

Checkliste für euren WOL-Circle

  •  Definition des eigenen Ziels
  • 󠄀Interessenten zur gemeinsamen Durchführung finden
  • 󠄀12 Termine blocken
  • 󠄀Jeweilige Meetings vorbereiten
  • Am Ball bleiben!
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