#D3unterwegs: Stadt Münster startet Open Data Portal

Es ist einige Tage her, da packte das gesamte D3 Team seine Koffer, um für euch in allen Himmelsrichtungen von aktuellen digitalen Geschehnissen außerhalb Berlins und Deutschland zu berichten. Lest in den Nachberichten 1 und 2 von Franziska, wie in Kopenhagen tausende Digital-Enthusiasten zum Techfestival zusammenkamen, um die digitale Transformation menschlich und fair zu gestalten.

Tatort: Münster – auf den Spuren der offenen Daten

Mein Tatort: Münster. Die Verdächtigen: die Bertelsmann Stiftung, die Stadt Münster und gemeinnützige Initiativen aus der Region. Der Tatbestand: offene Daten und deren wirkungsvollen Gestaltungsmöglichkeiten. Mögliche Tatwaffe: das neue Open-Data Portal der Stadt Münster. Wir beginnen mit einer direkten Auflösung: schuldig in allen Tatbeständen. Urteil: Freispruch. Warum? Das lest ihr hier.

Eingeladen wurden wir von unseren Content Partner “Smart Country”, einem Projekt der Bertelsmann Stiftung, welches sich mit digitalen Gestaltungsmöglichkeiten im ländlichen Raum auseinandersetzt. Die Bertelsmann Stiftung unterstützt Kommunen – so auch die Stadt Münster – bei der Umsetzung vielfältiger Digital-Projekte. Münster ist eine von bisher erst knapp über 70 Kommunen in Deutschland, die offene Daten veröffentlichen. Das tolle daran: Die Daten können von ganz unterschiedlichen Projekten genutzt werden – und so auf ganz unterschiedlichen Ebenen zur Förderung des Gemeinwohls beitragen.

In zwölf Kategorien, wie Bevölkerung, Soziales, Bildung oder Kultur, werden die von der Stadt erhobenen Daten nun der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Die dadurch geförderte Transparenz der Verwaltung, stärkt den Gedanken der gesellschaftlichen Teilhabe und fördert die Motivation zum bürgerschaftlichen Engagement.

Kick-off: Potentiale von Open Data für die Zivilgesellschaft

Damit die verschiedene Akteure der Stadt Münster aktiv am Vorgang beteiligt werden, initiierte die Stadt Münster pünktlich zum Launch ihres Open Data-Portals gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung den Austausch zwischen Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Unterstützung erhielten die Veranstalter aus England. Nathan Coyle, Open Data Aktivist von der Organisation New Union, unterstützt sowohl Graswurzel-Organisationen als auch Kommunen bei der Umsetzung von Open Data Strategien.

Nach kurzer Vorstellungsrunde erfolgte ein kurze Begriffsklärung. Grundsätzlich lassen sich Daten in zwei Gruppen einsortieren. Entscheidend ist hier besonders die zeitliche Dimension. Offene Daten, beispielsweise Geodaten oder Statistiken, sind meist historische Datenbestände, welche im Interesse der Allgemeinheit langfristig gesammelt werden. Dem gegenüber stehen Echtzeitdaten, beispielsweise Abfahrtszeiten von Zügen und Busse.

Verschiedene nationale und internationale Beispiele aus der Praxis zeigten, wie diese Daten international bereits eingesetzt werden. Nathan stellte das Beispiel “Police.uk” vor. Bürger:innen werden auf einer interaktiven Karte Verbrechen in der jeweiligen Region angezeigt. Hierbei werden ebenfalls auch Kapitalverbrechen anzeigt. Viele Teilnehmende vor Ort merkten kritisch an, dass mit der Nutzung dieser Daten auch eine Abwertung und Brandmarkung von gewissen Stadtgebieten ausgehen kann.

Ein weiteres Beispiel folgte aus den USA. Verstellte oder verschneite Hydranten stellen für die Feuerwehr bei Einsätzen häufig ein Problem dar. Bürger:innen haben die Möglichkeit nahegelegene Hydranten zu “adoptieren” und als Pat:innen Sorge dafür zu tragen, dass diese Einsatzbereit sind. Erweitert wird dieses Angebot durch Gamification-Elemente, um die Pat:innen durch Ranglisten und Abzeichen zu motivieren und sie spielerisch an das Projekt zu binden.

Daraufhin ging es auch bereits in die erste Arbeitsphase des Tages. In Kleingruppe haben wir gemeinsam reflektiert, mit welchen Daten man in seiner Organisation am häufigsten arbeitet und ob bereits schon Überschneidungen zu bestehenden offenen Daten bestehen. Die meisten Teilnehmenden nutzen bisher noch nicht aktiv die ihnen zur Verfügung stehenden verschiedenen offenen Datenquellen. Dennoch haben die anwesenden Projekte bereits erste Ideen für potentielle Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. So könnte Daten von Veterinäramt und Finanzämtern (Hundesteuer) für Tierschutzorganisationen aufgearbeitet werden.

Besonders mithilfe sozioökonomischer Daten können Organisationen die Notwendigkeit von Fördermitteln belegen. Ebenfalls eine direkte Anwendungsmöglichkeit sehen die Teilnehmenden beim Erstellen von Berichten oder Artikeln auf Grundlagen offener Daten. Zusätzlich ist es den Organisationen möglich, durch offene Daten Anhaltspunkte für künftige gesellschaftliche Fragen in der Stadt zu identifizieren.

In der Pause konnte wir Nathan für drei schnelle Tipps gewinnen:

Die drei Open-Data-Quicktipps von Nathan Boyle

  • Ein beherzter Blick nach Innen
    Beschäftigt euch zu Beginn mit den Daten der eigenen Organisation und teile diese auch mit der Eurer Community.
    Hierzu empfehlen wir euch folgenden Artikel: Datenanalyse für den guten Zweck
  • Grundlage für erfolgreiche Finanzierung.
    Wie bereits beschrieben, belegen Daten die Notwendigkeit deines Angebots und verbessern deine Chancen bei Bewerbung von Fördermöglichkeiten.
  • Fordert eure Stimme ein.
    Verfolgt aktiv politische Entscheidungen und fordert Eure Stimme aktiv ein.
    Hier empfehlen wir Euch das Webinar von Paul Krauthausen von openTransfer

Der Workshop endet mit der Sammlung von Daten und Übersichten, die aus Sicht der Teilnehmenden für einen wirkungsvollere Arbeit notwendig wären. Zum Beispiel: Eine einheitlich Übersicht gemeinnütziger Organisationen sowie deren Arbeitsbereich, um somit schnell mögliche Überschneidungen und Kooperationsmöglichkeiten zu erkennen. 

Die Vetreter:innen der Stadt Münster gingen auf die individuelle Einwürfe sehr offen und hilfsbereit ein – ein sehr schönes Zusammenspiel aus Zivilgesellschaft und Verwaltung!

Damit dies auch in Zukunft beibehalten wird, haben die Beteiligten kurzerhand ein “Open-Data Lenkungskreis” gegründet. Langer Begriff, große Wirkung:  Der Lenkungskreis stellt auch in Zukunft sicher, dass der Austausch zwischen Stadt und Zivilgesellschaft weiterhin stattfindet und reibungslos funktioniert.

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