Gemeinsam lernen: Wie organisiere ich eine Socialbar?

In den kommenden Wochen möchten wir euch einige spannende P2P-Formate vorstellen. In dieser Woche geht es um das beliebte Konzept der Socialbar! Socialbars finden mittlerweile deutschlandweit statt und sind ein etabliertes und erprobtes Konzept für den Austausch auf Augenhöhe. Hier erfahrt ihr, wie auch ihr eine Socialbar veranstalten könnt.

Socialbar – so funktioniert’s

Gegründet wurde das Konzept der Socialbar bereits 2008 in Berlin und ist seitdem an mehreren Standorten in Deutschland vertreten. Im Jahr 2014 haben wir in Berlin den Trägerverein „verein.BAR“ gegründet, um die Strukturen der Socialbar zu festigen.

Die Socialbar ist mittlerweile ein unabhängiges, nicht kommerzielles Kompetenznetzwerk für digitale Medien und kulturellen Wandel in der Zivilgesellschaft. Das Format ist offen konzipiert. Das heißt: Alle, die möchten, können das Konzept in ihrer eigenen Stadt umsetzen. Weitere Unterstützung und Ideen für eure Socialbar erhaltet ihr hier: http://socialbar.de/

Und darum geht’s: Gemeinnützige Organisationen, Social Entrepreneurs und engagierte Bürger:innen eignen sich im Rahmen der Socialbar-Veranstaltungen neue Formen der Kommunikation, der Zusammenarbeit und des Miteinanders an. Socialbars sind meistens auf digitale Themen fokussiert und helfen so dabei, die Zivilgesellschaft auf dem Weg in die digitale Transformation zu unterstützen. Gemeinsam und auf Augenhöhe.

Eine Socialbar organisieren – darauf kommt es an

Photo by Patrick Perkins on Unsplash

Zentrale Kriterien einer Socialbar sind:

  • Eine Kultur des freien Wissens bestimmt die vorherrschende Philosophie – es geht um einen freien Gedankenaustausch in kreativer Atmosphäre.
  • Die Teilnehmenden kommen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen.
  • Alle Besucher:innen sind aktiv – es gibt keine stillen Zuhörer:innen.
  • Die Veranstaltungen sind prinzipiell für alle offen und Hierarchien sollen hier keine Rolle spielen.
  • An die kurzen Input-Referate schließen sich mindestens ebenso lange Plenums-Diskussion an.
  • Die Themen drehen sich rund um das Social Web und haben den Schwerpunkt auf dem Einsatz digitaler Technologien und Kommunikationsmittel in zivilgesellschaftlichen Organisationen.

So läuft eine Socialbar ab

Klassischerweise läuft eine Socialbar wie folgt ab:

  1. Kurze Begrüßung durch das Organisationsteam
  2. Kurze Vorstellungrunde (Beispiel: Teilnehmende stellen sich mit drei Schlagworten oder Hashtags vor)
  3. Drei kurz Vorträge (jeweils 10 Minuten Input und 10 Minuten offene Diskussion)
  4. Offener Austausch der Teilnehmenden

Durch die Kurzvorträge erhalten die Socialbar-Veranstaltungen jeweils einen thematischen Fokus, den ihr gegebenenfalls auch für den Titel der Veranstaltung nutzen könnt. Besonders dann, wenn ihr das erste Mal eine Socialbar organisiert, besteht eure erste Hauptaufgabe in der Ansprache von möglichen Referent:innen für die Kurzvorträge. Nach einiger Zeit – wenn sich das Format etabliert hat und ihr ordentlich die Werbetrommel gerührt habt – wird sich jedoch voraussichtlich eine aktiv Community gebildet haben, die sich proaktiv mit Themenvorschlägen einbringen wird.

Unser Tipp: Achtet bei den Kurzvorträgen darauf, dass es sich dabei nicht um reine Projektvorstellungen handelt und brieft eure Impulsgeber:innen dementsprechend. Für das Publikum sind vor allem die persönlichen Herausforderungen und Lösungswege der Referent:innen spannend.

Die fünf „Regeln“ für Referent:innen

Photo by Mark Duffel on Unsplash

Damit die Socialbar einen Mehrwert für alle Beteiligten bietet, haben sich ein paar Grundprinzipien bewährt, auf die die Referent:innen besonders achten sollten. Die fünf Regeln für Referenten:innen auf Socialbars lauten:

  • Verkaufe nichts
  • Biete nützlichen Mehrwert
  • Rede auch von Fehlern
  • Komm zum Punkt
  • Stelle Fragen

Die Vorträge stellen somit einen Gedankenimpuls für die Teilnehmenden dar und bieten Grundlage für den anschließenden Austausch untereinander.

So bereitet ihr eine Socialbar vor

Als Organisationsteam ist eure vorrangige Funktion, die Rahmenbedingungen für einen Austausch unter den Teilnehmenden zu schaffen. Neben schönen Räumlichkeiten, etwas Catering und einer guten Atmosphäre, steht zu Anfang insbesondere der Aufbau einer Community im Zentrum eurer Planungen. Wir möchten euch nun Schritt für Schritt erklären, wie ihr euch optimal auf eure erste Socialbar vorbereitet.

Schritt 1: Netzwerk aufbauen

Photo by Marvin Meyer on Unsplash

Zu Beginn identifiziert ihr Akteure aus dem zivilgesellschaftlichen Umfeld innerhalb eurer Umgebung. Ladet befreundete Organisationen ein, schaut über den Tellerrand und sucht aktiv den Kontakt zu anderen Vereinen, Verbänden oder Social Start-ups – auch solche, mit denen ihr bisher noch nicht kooperiert habt. Beschreibt ihnen kurz das Konzept der Socialbar (nicht vergessen, die großen Vorteile hervorzuheben!), nennt euer gewünschtes Thema und bittet sie, euer Anliegen auch in ihren Communities zu teilen. Vielleicht erhaltet ihr so auch schon einen Eindruck

Unser Tipp: Nicht das Rad neu erfinden! Zusätzlich solltet ihr euch zu Beginn mit anderen bereits etablierten Socialbars in Deutschland austauschen. Kontakte findet ihr ebenfalls unter http://socialbar.de/

Checkliste: Netzwerkaufbau

  • Recherche: Erstellt eine Liste mit potentiellen Teilnehmer:innen in der Umgebung
  • 󠄀Austausch: Sucht den Kontakt zu etablierten Standorten in Deutschland und fragt sie nach konkreten Erfahrungswerten
  • 󠄀Ansprache: Kontaktiert die ersten Teilnehmenden und bittet sie, eure Socialbar ebenfalls in ihrem Netzwerk publik zu machen.

Schritt 2: Veranstaltungsort auswählen

Photo by Paul Bergmeir on Unsplash

Das Umfeld ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eurer Socialbar. Entscheidet euch für kreative Umgebungen, in denen man gut miteinander ins Gespräch kommt. Dies können Bars, Restaurants oder im Sommer Biergärten sein. Von Vorteil ist es, wenn ihr eure Socialbar stets am selben Ort durchführen könnt. Eine Socialbar findet nach den regulären Arbeitszeiten statt – wer hat da schon Lust auf cleane Seminarräume?

Checkliste Veranstaltungsort:

Findet einen Veranstaltungsraum, in dem

  • die Teilnehmer:innen gut ins Gespräch kommen können.
  • Kreativität eine Chance hat.
  • sich alle wohlfühlen.
  • ihr gegebenenfalls auch die nächste Socialbar durchführen könnt.

Schritt 3: Referent:innen finden

Photo by Jason Rosewell on Unsplash

Wie bereits beschrieben, erhalten könnt ihr eurer Socialbar mit der Auswahl von Referent:innen und ihrem Themenschwerpunkten ganz unterschiedliche Fokusse verleihen. Aktuelle Themen und Herausforderungen sind dafür am besten geeignet – startet also mit der Recherche nach einem Thema und fragt euch dann, wer dafür als Referent:in in Frage kommt. Auch ein gutes Vorgehen: Fragt eure Teilnehmenden bei der ersten Socialbar, welche Themen sie beim nächsten Mal gerne hätten und richtet euch danach. Vielleicht hat auch eure Community Ideen für spannende Fälle und Referent:innen – setzt immer auf die Schwarmintelligenz eurer Leute!

Checkliste: Referent:innen

  • Findet ein aktuelles Thema und Referent:innen, die sich damit beschäftigen und auskennen.
  • Fragt eure Community, welcher Themenwerpunkt sie interessiert.
  • Setzt auf die Schwarmintelligenz – und entwickelt keine Themen an der Zielgruppe vorbei.

Schritt 4: Nachbereitung und Community-Building

Photo by Clay Banks on Unsplash

Ein zentraler Punkt für erfolgreiche Socialbars ist das sogenannte Community-Building. Ein Baustein für eine treue und begeisterte Community ist die Transparenz. Zeigt auch denjenigen, die nicht live dabeisein konnten, was sie verpasst haben. Und gebt ihnen die Gelegenheit, die wichtigsten Informationen dennoch zu erhalten. Eine gute Möglichkeit ist es, eure Social Media Kanäle zu bedienen. Live-Tweets oder einige Postings auf Facebook oder Instagram zeigen die Stimmung und geben die groben Themen wieder, sodass man einen guten Eindruck erhält. Im Nachgang rundet ein kurzer Blogbeitrag mit den wichtigsten Thesen, Learnings und Aussagen die Dokumentation ab.

Auch ein wichtiger Aspekt: Etabliert einen Kommunikationskanal, über den eure Community miteinander kommunizieren kann. Das kann eine geschlossene Facebook-Gruppe, ein Telegram-Kanal, eine klassische Mailingliste oder ein Slack-Chat sein.

Checkliste: Nachbereitung

  • Live-Berichterstattung über Social Media.
  • Eine Dokumentation der Veranstaltung ist veröffentlicht und wird an die Teilnehmer:innen weitergeleitet.
  • Eine Plattform zum weiteren Austausch ist eingerichtet (Mailingliste, GoogleDocs, Telegram, Slack o.ä.)

Peer-to-Peer-Learning – was sind eure Erfahrungen?

Habt ihr bereits eine Socialbar veranstaltet? Habt ihr tolle Erfahrungen mit einem anderen Format gemacht? Dann freuen wir uns über eure Ideen und Erfahrungen!

Creative Commons Lizenzvertrag

Der Artikel steht unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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