
Ein Kampagnen-Assistent setzt sich aus Funktionen zusammen, die mittlerweile in vielen gängigen KI-Tools standardmäßig verfügbar sind und die ihr gezielt für eure Kampagne vorbereiten könnt. Er kennt Eure Kernbotschaften, Eure Regeln und Eure Beispieltexte. So hilft er euren Mitmachenden dabei, schnell eigene Beiträge für Newsletter, Social Media oder Webseiten zu erstellen.
Anhand des Best Practice der Social Media Mitmach-Kampagne „Dritte Orte für Begegnung“ der Körber-Stiftung könnt Ihr gut nachvollziehen, wie das funktionieren kann. Für die Kampagne hat Lisa Schachner, Marketing Managerin der Stiftung, so einen Kampagnen-Assistenten mit dem KI-Chatbot ChatGPT zusammengestellt. Bei ChatGPT von OpenAI heißen solche selbst eingerichteten Assistenten offiziell GPTs oder auch Custom (also „benutzerdefinierte”) GPTs. Im Artikel weisen wir immer wieder auf das konkrete Beispiel der Körber-Stiftung mit ihrem „CustomGPT“ hin, bleiben aber in der Beschreibung bei dem universellen Begriff des Kampagnen-Assistenten, weil es hier ja nicht um ein einzelnes Tool geht, sondern um das Prinzip dahinter.
Der Nutzen hinter solchen Assistenten wurde einleitend ja schon angeteasert. Konkret sollen sie Eure Kampgnen-Partner:innen unterstützen, sodass sie beim Mitmachen nicht mit einem leeren Dokument starten müssen. Sie geben einfach nur ein, wer sie sind, wofür sie stehen und wo sie den Beitrag veröffentlichen möchten. Der Kampagnen-Assistent macht daraus einen ersten brauchbaren Entwurf, genau in der Form, Länge und in dem Stil, den man vorher festgelegt hat.
Mitmachende brauchen schnelle Textentwürfe, keine langen Briefings
Viele Kampagnen scheitern nicht an fehlender Zustimmung. Sie scheitern daran, dass Beteiligung Zeit kostet. Kampagnenpartner:innen müssen verstehen, worum es geht, einen passenden Text schreiben, den richtigen Ton treffen und zentrale Formulierungen korrekt übernehmen.
Ein Kampagnen-Assistent nimmt ihnen genau diesen Start ab. Ihr gebt ihm Kampagneninfos, zentrale Botschaften, Beispieltexte und klare Regeln. Danach können Mitmachende eigene Beiträge erstellen lassen, ohne bei null anzufangen.
Genau das hat die Körber-Stiftung mit ihrem Zitat-Generator zur Mitmach-Kampagne „Dritte Orte für Begegnung“ gemacht. Dieser Assistent informiert über die Kampagne und erstellt Social-Media-Texte, die zur Beteiligung passen. Nutzende müssen also nicht selbst überlegen, wie sie die Kampagnenbotschaft in eigene Worte bringen.
Stellt Euch vor, Ihr startet eine Kampagne für mehr Ehrenamt im Stadtteil. Statt allen Kampagnenpartner:innen nur ein Dokument mit Textbausteinen zu schicken, stellt Ihr einen Kampagnen-Assistenten bereit. Eine Nachbarschaftsinitiative gibt ein: „Wir sind ein Treffpunkt für Seniorinnen und Senioren. Schreibe einen kurzen Facebook-Post zur Kampagne.“ Der Assistent liefert einen Entwurf im richtigen Ton.
Geführte Fragen helfen mehr als lange Vorlagenmappen
Klassische Kampagnenkits sind oft gut gemeint. Sie enthalten Logos, Textbausteine, Hashtags, Sharepics und Hintergrundinfos. Für größere Organisationen ist das hilfreich. Für kleine Vereine kann es schnell zu viel sein.
Ein Kampagnen-Assistent macht aus dieser Vorlagenmappe ein einfaches Gespräch. Er fragt ab, wer schreibt, für welchen Kanal der Text gedacht ist und was der Beitrag bewirken soll. Daraus entstehen konkrete Vorschläge.
Im Best Practice der Körber-Stiftung arbeitet der Zitat-Generator mit einfachen Gesprächseinstiegen. Nutzende können sich Informationen zur Kampagne geben lassen, ein passendes Zitat schreiben lassen oder Beiträge für Einzelpersonen und Organisationen erstellen.
Ein Beispiel: Ihr macht eine Kampagne zum Thema Demokratieförderung. Eine kleine Bildungsinitiative möchte mitmachen, hat aber keine Kommunikationsabteilung. Der Kampagnen-Assistent fragt: „Postet Ihr als Organisation oder Einzelperson? Soll der Text für Instagram, LinkedIn oder den Newsletter sein? Wollt Ihr informieren, Haltung zeigen oder andere zum Mitmachen einladen?“ Danach liefert er zwei bis drei Varianten.
| 💡 Zur Erinnerung: KI-Anbieter verwenden unterschiedliche Begriffe für sehr ähnliche Funktionen. Mit Kampagnen-Assistenten sind anpassbare KI-Assistenten gemeint, denen ihr eine feste Aufgabe, eigenes Wissen und klare Regeln mitgeben könnt. Was zum Zeitpunkt, als dieser Artikel entstanden ist, gerade „Custom GPT“ bei ChatGPT heißt, findet ihr bei Google Gemini unter „Gems“. Bei Claude von Anthropic arbeitet ihr eher mit „Projects“, also Projektbereichen mit eigenem Kontext und Wissen. Bei Microsoft begegnet euch häufig der Begriff „Agent.“ Für eure Kampagne ist der genaue Name oder Anbieter nicht entscheidend. Die Funktionen verändern sich schnell, und die Tech-Unternehmen dahinter benennen sie immer wieder um. Wichtig ist das Grundprinzip: Ihr erstellt eine wiederverwendbare Kommunikationshilfe, die eure Kampagne kennt, eure Sprache nutzt und nach festen Regeln arbeitet. Dort könnt ihr zum Beispiel hinterlegen: Ziel der Kampagne, Zielgruppen, zentrale Botschaften, gewünschte Tonalität, No-Gos und Hinweise zu verständlicher Sprache. Fragt euer aktuelles KI-Tool zum Einstieg zum Beispiel: „Wie kann ich hier einen Agenten, Assistenten oder Projektbereich erstellen, in dem ich eigenes Wissen und feste Regeln hinterlegen kann? Ich möchte diese Hilfe später mit anderen Personen teilen. Bitte erkläre mir die Einrichtung Schritt für Schritt.“ |
Klare Leitplanken halten Eure Botschaft zusammen
Wenn viele Menschen eigene Beiträge schreiben, wird eine Kampagne lebendig. Gleichzeitig kann die Botschaft verwässern. Manche vergessen den Kampagnentitel. Andere erfinden Hashtags. Wieder andere formulieren so frei, dass der Bezug zur Kampagne verloren geht.
Deshalb braucht Euer Kampagnen-Assistent klare Leitplanken. Ihr legt fest, welche Formulierungen immer korrekt verwendet werden sollen. Ihr hinterlegt auch, welche Hashtags erlaubt sind, welche Angaben nicht verändert werden dürfen und wann ein Hinweis auf KI-Nutzung sinnvoll ist.
Im Beispiel der Körber-Stiftung soll der Assistent immer auf das Statement mit seinem exakten Titel hinführen: „Dritte Orte sind für gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar“. In der Konfiguration sind außerdem Standards hinterlegt, etwa zur korrekten Benennung, zu KI-generierten Texten und zum Umgang mit Hashtags.
Übertragen auf Eure Kampagne: Wenn sie zum Beispiel „Sport verbindet vor Ort“ heißt, sollte der Kampagnen-Assistent diesen Titel nicht abwandeln. Er darf kreative Texte schreiben. Aber Pflichtangaben müssen gleich bleiben.
Euer nächster Schritt: Erstellt eine kurze Liste mit drei Spalten: Muss rein, Darf rein, Bitte vermeiden. Diese Liste ist die wichtigste Grundlage für Euren Kampagnen-Assistenten.
Eine gute Kommunikationshilfe beantwortet einfache Rückfragen
Ein hilfreicher Kampagnen-Assistent schreibt nicht nur Texte. Er erklärt auch die Kampagne. Wer kann mitmachen? Was ist das Ziel? Wie lange läuft die Aktion? Welche Materialien gibt es? Wer hat die Kampagne gestartet?
Das spart Rückfragen per Mail. Gleichzeitig verhindert es Missverständnisse. Gerade kleinere Organisationen oder Vereine müssen Aktionen öfter im Team rücksprechen, bevor sie einen Beitrag veröffentlichen. Da ist es gut, wenn diese Absprachen direkt mit etwas Vorzeigbarem passieren können.
Den bei der Körber-Stiftung eingesetzten Custom GPT ließen sich ganz einfach Informationen zur Kampagne geben: Wer sich beteiligen soll, wie die Beteiligung funktioniert, wie lange die Kampagne läuft und welche Materialien bereitgestellt werden. So wird er zur kleinen Kampagnen-Auskunft.
Ein typisches Szenario: Eine lokale Initiative möchte Eure Kampagne im Newsletter erwähnen. Sie fragt den Kampagnen-Assistenten: „Was ist das Ziel der Kampagne in zwei Sätzen?“ Danach lässt sie sich daraus einen kurzen Newsletter-Absatz erstellen. Aus einer kurzen Info wird direkt ein nutzbarer Text.
Ladet deshalb nicht nur Werbetexte hoch. Gebt dem Kampagnen-Assistenten auch FAQs, Zielgruppeninfos, Beispielantworten und kurze Hintergrundtexte.
So startet Ihr mit einem Kampagnen-Assistenten
- Definiert den Zweck. Schreibt klar auf, für wen der Kampagnen-Assistent da ist: „Er hilft Kampagnenpartner:innen, eigene Texte zur Kampagne zu erstellen.“
- Sammelt das Kampagnenwissen. Dazu gehören Ziel, Laufzeit, Zielgruppen, Beteiligungsmöglichkeiten, Materialien, Kontaktadresse und Pflichtformulierungen.
- Legt wenige Textformate fest. Startet mit Instagram-Post, LinkedIn-Beitrag, Newsletter-Absatz, kurzem Zitat und Einladungstext.
- Baut einfache Gesprächseinstiege ein. Zum Beispiel: „Ich möchte als Verein mitmachen“, „Schreibe einen Post für unsere Organisation“ oder „Erkläre mir die Kampagne kurz“.
- Setzt klare Grenzen. Der Kampagnen-Assistent soll keine Fakten erfinden, keine neuen Hashtags ausdenken und keine rechtlichen Aussagen treffen.
- Testet mit echten Mitmachenden. Gebt den Kampagnen-Assistenten zwei kleinen Kampagnenpartnern. Fragt danach: War der Text brauchbar? War die Bedienung einfach? Was hat gefehlt?
Wenn Eure Kampagnenpartner nach fünf Minuten einen passenden Beitrag in der Hand haben, wird aus einer guten Kampagnenidee schneller echte Beteiligung. Viel Erfolg!
| Dieser Text basiert auf einem Webinar von Lisa Schachner, Marketing Managerin der Körber-Stiftung, vom April 2026 zum Thema „KI-Nutzung in der Kommunikation – Einblicke in die Custom GPTs der Körber-Stiftung.“ Aus unseren Notizen, unter Rücksprache und mithilfe unseres D3 Masterprompts (hier nachzulesen) ist dieser Gastbeitrag entstanden. |







