D3 unterwegs in Lübeck

Das Lübecker Holstentor im Sonnenschein. Zu sehen sind die beiden Türme des Tors und die zwei Türme des Lübecker Doms.

Fachtag in Lübeck: Zusammenhalt stärken – Integration möglich machen

Mit strahlendem Sonnenschein begrüßt mich das Lübecker Holstentor, als ich mich zu Fuß vom Hauptbahnhof auf den Weg in die Hüxstraße mache. Hier in Lübeck sind die Wege kurz, sagte man mir. Umso gespannter bin ich, wie die Veranstaltung sein wird, zu der wir eingeladen wurden. Werden sich alle kennen? Wie „digital“ ist das Engagement im hohen Norden bereits? Mit diesen Fragen und einem Workshop zum Thema „Digitalisierung“ im Gepäck ging es durch die Lübecker Altstadt.

Unter dem Titel „Wer, wenn nicht wir?! Zusammenhalt stärken – Integration möglich machen!“ hatte der Verein ePunkt aus Lübeck Engagierte und Vereine eingeladen, um das Thema Integration an zwei Tagen in seinen unterschiedlichsten Facetten zu beleuchten. Wir waren mit unserem Lieblingsthema „Digitale Chancen“ ebenfalls mit einem Workshop dabei.

Illustre Gäste aus Berlin

Nicht nur ich habe den Weg aus Berlin angetreten – ein paar ICEs zuvor hatte sich Martin Hikel, Bezirksbürgermeister aus Berlin-Neukölln, in Richtung Norden begeben und stellte dort beispielhaft das erfolgreiche Integrationskonzept des Multikulti-Stadtteils vor.

Martin Hikel, Bezirksbürgermeister von Neukölln, bei seinem Vortrag bei ePunkt in Lübeck.
Photo: Franziska Zölzer

Auch wenn sich sicherlich nicht alle Aspekte aus Neukölln in das vergleichsweise kleine Lübeck übertragen lassen: Das Integrationskonzept in Neukölln setzte viele spannende Impulse, die hier auf offene Ohren trafen. Wichtigste Message: Integration ist ein ganzheitlicher Prozess, der alle Lebensbereiche im Kiez durchziehen muss. Vom Wohnkonzept bis hin zu Bildungs- und Aufklärungsangeboten.

Digitale Chancen für gesellschaftliche Integration

In unserem Workshop ging es um das große Thema Digitalisierung – welche Chancen bieten sich für die gesellschaftliche Integration? Rund 15 Teilnehmer:innen nahmen an dem kurzen Impulsvortrag und der anschließenden Diskussion teil.

Erfrischend habe ich wahrgenommen, wie hier ganz unterschiedliche Projekte mit digitalen Bordmitteln arbeiten – und dabei ganz unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Von der erfolgreichen Gründung einer großen und internationalen Facebook-Gruppe, in der sich Eltern zu Erziehungs- und Bildungsfragen austauschen, bis hin zur erfolgreichen 1:1-Betreuung von Jugendlichen via Whatsapp.

Ich bekam den Eindruck, dass viele Projekte ganz genau verstanden haben, was die Digitalisierung für sie sein sollte: Ein Mittel zum Zweck, das ihnen in der digitalisierten Welt dabei hilft, ihre Ziele und Zielgruppen zu erreichen.

3 Learnings vom Fachtag in Lübeck

Auch wenn wir bei „D3 – so geht digital“ nicht auf das Thema Integration spezialisiert sind, nehme ich doch wichtige Eindrücke mit nach Hause. Hier die drei wichtigsten Learnings aus meinem Tag in Lübeck, die auch für unsere Arbeit wichtig sind:

1. Auf Zielgruppen eingehen, statt belehren

Im Gespräch mit vielen Teilnehmer:innen ist mir aufgefallen, dass diejenigen, die sich ihren Zielgruppen nähern, sie dort abholen, wo sie sich aufhalten, die meisten Erfolge zu berichten hatten. Anstatt einen Computerraum aufzubauen und auf Besucher:innen zu warten, ist es vielleicht doch die zu Unrecht belächelte Whatsapp-Gruppe, die den ersten Zugang zueinander schafft.

2. Viele sind digitaler, als sie denken

„Wir sind nicht sehr digital.“ Diese Worte habe ich mehrfach gehört. Trotzdem wissen viele der Menschen, mit denen ich sprechen durfte, ganz genau, wie sie die Menschen erreichen, die sie erreichen möchten. Mit einer gesunden Portion Pragmatismus lernt man schnell, welche digitalen Mittel dabei helfen – und welche nicht. Und vielleicht liegt in diesem simplen Ausschlussverfahren schon das Geheimnis einer digitalen Strategie begraben.

3. Digital geht nicht alles

Gerade beim Thema Integration geht es um Menschen, um den persönlichen Kontakt und die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe. Das alles sind Aspekte, für die digitale Hilfsmittel einen Einstieg bieten können. Das Internet ist der Ort für schnelle Hilfe, für die Bereitstellung von Informationen und ein Ort, an dem man mitdiskutieren und gestalten kann. Trotzdem ist der persönliche Kontakt, das Gefühl der Dazugehörigkeit und von Heimat etwas, das im persönlichen Kontakt mit anderen Menschen entsteht.

Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass sich so viele Engagierte für diese Ziele einsetzen – ob digital oder analog. Ihr seid großartig!

Übrigens: Ein gutes Beispiel, wie die Verbindung aus digital und analog bei der Integration von zugewanderten Menschen aussehen kann, findet ihr hier im Portrait von Start with a friend.

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