Hackathons in Coronazeiten: gemeinsam, schnell, lösungsorientiert

Es gibt gerade viel zu tun, um schnelle, dringende Lösungen in der Corona-Krise zu finden. In verschiedenen Ländern nehmen sich Menschen in Online Hackathons den Herausforderungen an.

Photo by Clark Tibbs on Unsplash

Das findet ihr in diesem Artikel:

  • Was ist ein Hackathon?
  • Ein Zoom-Interview mit Merit von Garage 48, eine der Initiator:innen von “Hack the Crisis” in Estland, dem ersten Online-Coronafolgen-Hackathon.
  • Einblicke in den #WEvsVirus Hackathon der Bundesregierung.

Was ist ein Hackathon?

Hackathon klingt ein bisschen nach Programmieren mit durchgearbeiteten Nächten, Pizza, Mate und Cola, oder? Da ist auch ein bisschen was dran, denn dieses Format stammt aus der Softwareentwicklung. Mittlerweile hat sich die Methode jedoch weit über Codezeilen hinaus weiter entwickelt.

Bei einem Hackathon geht es darum, extrem kollaborativ und sehr interdisziplinär zusammenzuarbeiten – und Lösungen für (gesellschaftliche) Herausforderungen zu entwickeln. 

Während eines Hackathons verbringst du eine feste Zeitspanne – in der Regel 1 oder 2 Tage – in einem diversen Team, um ein Produkt zu entwickeln und einen Prototypen zu bauen. Häufig beinhaltet ein Hackathon eine Art Wettbewerb, bei denen die Teams am Ende ihr Ergebnis einer Jury präsentieren – mit der Chance auf Investition, Förderung oder Preisgeld. 

Hackathons machen es möglich, ausserhalb des Alltagsgeschäfts frei und frisch mit neuen Köpfen an große Herausforderungen heranzugehen. Nicht selten entstehen aus den Prototypen neue (Sozial-)Unternehmen, die dranbleiben. Hackathons schaffen mit kreativen Teams, und dem Druck einer Deadline, eine positive “Let’s do it” Atmosphäre.

Estland – die Digital-Nation macht es vor

Nun also Hackathons, um den Herausforderungen der Coronakrise schnelle, passende Lösungen entgegenzusetzen. In verschiedenen europäischen Staaten finden sie derzeit statt oder werden noch geplant. Der erste onlinebasierte Hackathon dieser Reihe fand in Estland statt – nach nur 6-stündiger intensiver Vorbereitung.  Damit hat der kleine Staat im Baltikum ziemlich Eindruck hinterlassen. “Hack the Crisis” wurde bereits vom 13. – 15. März durchgeführt. Heraus kamen 96 Vorschläge, mehr als 830 Personen im Slack-Event-Kanal und schlussendlich 27 Teams, die gemeinsam an Lösungsansätzen ganz unterschiedlicher Art tüftelten. 

Die volle Übersicht über die Projektteams gibt es hier und genaueres zu den Gewinner-Prototypen hier. Das Beispiel zeigt: Hier kam ein starker Wille zum Tragen, in der Chance die Krise zu sehen, kombiniert mit einer hohen Digital- und Leadership-Kompetenz. 

Kaimar Karu ist der estnische Minister für Außenhandel und Informationstechnologie. Mit seinem “Call to Action” gab er den Anstoß für den estnischen Hackathon. Es sagte: “Use this crisis to emerge stronger.”

Estland ist in Sachen Digitalisierung ein gern zitiertes Beispiel. In dem (zugegeben leichter zu überschauenden) Land mit 1,3 Mio Einwohner:innen steht das Recht auf Internetzugang in der Verfassung. Kostenlose offene W-Lans im öffentlichen Raum, Breitbandversorgung und hoher Mobilfunkstandard auch in der Peripherie, digitale Identitätkarten für verschiedene Zwecke und vieles mehr haben zum Selbstverständnis als e-Estonia geführt. Hinter diesem Link verbergen sich beeindruckende Zahlen zur Digitalisierung der estnischen Gesellschaft.

Nun also ein Online-Hackathon um schnelle Lösungen für Corona-bedingte Herausforderungen zu entwickeln – und für die Abfederung der Folgen nach der Krise. Binnen 48 Stunden wurden Prototypen entwickelt – ganz dezentral und im Netz. Das Stichwort heißt auch in Estland #SocialDistancing und #Quarantäne.

DIe Initator:innen von Hack a Crisis sind das Innovationsbüro der estnischen Regierung – Accelerate Estonia und das Team von Garage48, die in den vergangenen zehn Jahren bereits hunderte Hackathons durchgeführt haben. 

Ein Zoom-Interview mit Merit von Garage48

Auch wenn Videokonferenzen gerade selbst mit Nachbar:innen ein großes Thema sind – dieses Interview hätten wir auch ohne #staythefuckathome Anweisungen via Internet geführt. Wir sprachen mit Merit Vislapu von Garage48 über Hack a Crisis: Wie ist es gelaufen? Was kam raus und welche Erfahrungen kann sie anderen mit auf den Weg geben?

Wir haben auch mit Miik Vainik gesprochen. Er leitet das Innovationsbüro der estnischen Regierung, Accelerate Estonia. Sie haben zusammen mit Garage48 den Hackathon in Estland auf den Weg gebracht. Sein Tipp für alle, die jetzt auch lokale und regionale Online-Hackathons veranstalten wollen, gibt er euch hier – und bald im ganzen Interview auf D3 – so geht digital.

Die Prototypen aus dem Hackathon werden nun vorangetrieben – und außerhalb des Landes und auf lokaler Ebene macht die Idee Schule. Zudem hat das estnische Vorbild dutzende andere Staaten weltweit zu ähnlichen Events animiert. 

Garage48 und Accelerate Estonia arbeiten gerade an einem Guidebook. Es soll all denen helfen, die selbst Corona-Hackathons online veranstalten wollen – weitergeschrieben wird es dann von der Community.

#WIRvsVIRUS – der Hackathon der deutschen Bundesregierung

Heute, vom 20.-22. März startet mit ebenfalls erstaunlich kurzer Vorlaufzeit ein gigantischer Online Hackathon der deutschen Bundesregierung mit starken Partner:innen:

Eine Vorab schon beeindruckende Seite auf der Veranstaltungswebsite ist diese hier. Sie macht deutlich, worauf es jetzt ankommt. Nicht überall muss und sollte das Rad neu erfunden. Gerade in der Krise heißt es: Erdachtes weiterdenken, skalieren & Leerstellen identifizieren.

Screenhot wirvsvirushackathon.org/ressourcen/

Wir sind gespannt, wie es laufen wird – das Feedback ist enorm!

Wir wünschen allen Teams und den Organisator:innen gute Ideen, stabile Technik, starke Nerven und einen langen Atem!

Eure D3’s
Homer Simpson drückt auf einen roten Button  - darunter steht "Do something cool".
Du hast den Artikel zu Ende gelesen. Bewerte jetzt wie er dir gefallen hat oder
[Total: 8 Durchschnitt: 4.5]

3 thoughts on “Hackathons in Coronazeiten: gemeinsam, schnell, lösungsorientiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr Beiträge aus dem Magazin

D3 – so geht digital ist ein Projekt der     gefördert durch