10 Tipps für eine erfolgreiche Online-Kampagne

Wie mache ich auf mein Integrationsprojekt aufmerksam? Wie finde ich Freiwillige für meinen Sportverein? Wer unterstützt die Feuerwehr beim nächsten Dorffest? Und wie mische ich mich in die Debatte um Datensouveränität ein? Auf diese komplexen Fragen kann es eine Antwort geben: Mit zielgerichteten Online-Kampagnen ist einiges möglich. Sie können Aufmerksamkeit erzielen, Zielgruppen ansprechen und mit einer großen Community im Rücken zu einer Stimme im öffentlichen Diskurs werden.

Nachdem das „Warum“ einleuchtet, folgt nun die Frage nach dem „Wie“. Sebastian Schütz ist Head of Campaigns beim Change.org e. V. und hat uns zehn Tipps für eine erfolgreiche Online-Kampagne gegeben.

Keine Angst vor der Kampagne

Ein Neon-Zeichen mit der Aufschrift: Do Something Great!
Photo by Clark Tibbs on Unsplash

Früher dachte ich bei Campaigning immer an den milliardenschweren US-Wahlkampf und die aufwändigen TV-Spots. Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, dass es für ganz normale Bürgerinnen und Bürger so leicht sein kann, Aufmerksamkeit für ein eigenes Anliegen zu erzeugen, eine Debatte zu beeinflussen oder ein Gesetz zu verändern. Bei Change.org habe ich gelernt, dass es beim Campaigning nicht zwingend auf finanzielle Ressourcen ankommt. Mit diesen zehn Tipps können wir richtig viel bewegen:

1. Definiere ein konkretes & erreichbares Kampagnenziel

Kampagnen, die am liebsten die ganze Welt retten wollen oder bei denen man nur kurz Wut ablassen kann, finden sicher auch Unterstützung; ihre Wirkung verpufft allerdings schnell und am Ende weiß niemand so recht, ob Deine Kampagne erfolgreich war oder nicht.

2. Bestimme den Zeitpunkt für den Start Deiner Kampagne

Ein aufgeschlagener Kalender.
Photo by Eric Rothermel on Unsplash

Timing ist alles. Setzt Du Dich beispielsweise gegen Lebensmittelverschwendung ein, ist der #WorldFoodDay ein guter Tag, um Deine Kampagne zu starten. Wenn eine prominente Politikerin oder ein Politiker eine empörende Aussage über Dein Thema trifft, solltest Du schnell agieren, um Teil der Debatte zu werden und sie im Idealfall sogar zu verändern.

3. Gehe auf die Presse zu – aber nicht ohne eine ‘echte’ Story

Um politischen Druck auf Entscheidungsträgerinnen und -träger zu erzeugen, solltest du Deine Kampagne in die Medien bringen. Zeige auf, warum Deine Kampagne gerade jetzt so wichtig ist. Überlege, was aus Sicht von Journalistinnen und Journalisten wichtig sein könnte: Lokalität, Dringlichkeit, persönliche Betroffenheit, Emotionalität. Überprüfe Deine Kampagne auf fesselnde Geschichten und zeige Deine persönliche Motivation auf.

4. Schaffe Anlässe, die Deine Kampagne ins Gespräch bringen

Warum werden manche Kampagnen nicht von der Presse aufgegriffen? Dies kann verschiedene Gründe haben: Die Komplexität des Themas, mangelnde Emotionalität oder fehlende Bilder, um von einer Kampagne zu erzählen. Eine gute Kampagne kreiert Anlässe für eine mediale Berichterstattung. Insbesondere für TV und Printmedien ist es wichtig, dass Du dabei in Bildern denkst.

5. Überlege Dir Inhalte, die Menschen zum Teilen Deiner Kampagne bewegen

Zwei Beinpaare stehen auf einer Straße. Dort steht "Passion led us here".
Photo by Ian Schneider on Unsplash

Die ersten Menschen, die sich hinter Deine Kampagne stellen, Deine Petition unterzeichnen oder ihr in sozialen Medien folgen, solltest du gleich einbinden, um die Kampagne zu verbreiten. Überlege Dir unterschiedlichen Content, den sie teilen können, wie interessante Fakten zur Kampagne, Videoaufrufe zu aktuellen Anlässen oder Fortschritte.

6. Überlege Dir, was die Menschen nach dem ersten Schritt tun können

Wie können Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eingebunden werden, um den Handlungsdruck zu erhöhen? Du kannst über Deine Kampagne organisieren, dass sie bei abgeordnetenwatch.de Fragen stellen, E-Mails schreiben oder an einer Demonstration teilnehmen. Schon 10 Anrufe im Büro einer Abgeordneten können ziemlich viel aufwirbeln.

7. Stelle Deine Kampagne auf nachhaltige Beine – auch finanziell

Eine alte Kasse.
Photo by Ramiro Mendes on Unsplash

Viele Kampagnen bohren dicke Bretter und es bedarf immer neuer Anlässe, Ideen und auch viel Deiner Zeit. Selten gelingt es, alles allein und aus eigener Tasche zu stemmen. Bitte die ersten Unterstützerinnen und Unterstützer, Dir kleinere Aufgaben abzunehmen und Deine Kampagne auch finanziell zu unterstützen. Auch als Privatperson kannst du Spendenkampagnen organisieren über Plattformen wie Leetchie oder Gofundme.

8. Überlege Dir ein visuelles Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert

Denke darüber nach, was die Farben Deiner Kampagne sind. Es ist nicht egal, welche Bilder oder welchen Filter du verwendest, welche Schriftart. Diese Details sorgen für den Wiedererkennungswert Deiner Kampagne. Überlege auch einen festen Hashtag zu verwenden um alle geteilten Inhalte zu verbinden.

9. Gestalte Deine Kampagne inklusiv & barrierefrei

Verwende eine Sprache, die möglichst viele Menschen anspricht. Wenn Du zum Beispiel nur von „Bürgern“ und „Politikern“ sprichst, schließt Du eine ganze Menge Menschen aus. Unverzichtbare Tipps auch zum Thema Barrierefreiheit findest Du im „Leitfaden für inklusives Campaigning“ vom Campaign Boostcamp.

10. Achte auf Dich – Auch Aktivistinnen und Aktivisten können ausbrennen

Drei Menschen sitzen auf einem Weg und werfen buntes Papier in die Luft.

Wer für eine Sache brennt, vergisst schnell, auf sich selbst zu achten. Insbesondere wenn eine Kampagne erfolgreich ist und die Aufmerksamkeit von allen Seiten wächst, gilt es durchzuatmen und sich nicht zu übernehmen. Wer außerdem viel Gegenwind bekommt, sollte die Zeit nicht nur damit verbringen, Hasskommentare zu lesen. Spare Deine Energie für wichtige Kampagnen-Momente.

 

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Dieser Text ist in dem E-Book „Digitalisierung – vom Buzzword zur zivilgesellschaftlichen Praxis“ erschienen.

Das E-Book ist eine Orientierungshilfe, die das Großthema herunter bricht und konkrete Vorschläge macht, wie das Thema Digitalisierung angegangen werden kann. Schlagworte werden erklärt und mit Praxisbeispielen illustriert. Zahlreiche Tipps sollen zudem dazu inspirieren, sich aktiv in die Debatte um den digitalen Wandel einzuschalten.

Lizenz: CC BY-SA 3.0 de, Herausgeber: Stiftung Bürgermut

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