Digitaler Dorfplatz Rheinfelden: Zwei Städte, ein Netzwerk

Rheinfelden gibt es gleich zweimal: auf der deutschen und auf der schweizerischen Seite des Rheins. Seit gut einem Jahr vernetzt ein digitaler Dorfplatz die Bürger:innen beider Teile. Die Plattform zeigt, wie Nähe im Digitalen entsteht – das war nicht nur im Lockdown wichtig.

Aufnahme der Stadt Rheinfelden mit Blick über den Rhein

Foto: Zairon, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Am 12. Januar 2021 war es so weit: Die Stadtoberhäupter von Rheinfelden (Aargau) und Rheinfelden (Baden) präsentierten auf einem Pressetermin den gemeinsamen digitalen Dorfplatz. Crossiety nennt sich die interaktive Plattform, mit deren Hilfe sich seitdem Bürger:innen, Vereine, Initiativen, Firmen und die Stadtverwaltungen gegenseitig informieren, Kontakte knüpfen und zusammen Vorhaben planen.

Crossiety versteht sich als lokale Kommunikations-App für Quartiere, Städte und Regionen und ist mit allen gängigen Endgeräten – vom PC bis zum Smartphone – erreichbar. Das Kernstück, der digitale Dorfplatz, bindet mehrere Funktionen zusammen: Auf dem Rheinfeldener Kalender finden sich Veranstaltungen, vom Clean-up am Rhein bis zur Orgelwoche. Manchmal sind es zehn Events an einem Tag – nicht gerade wenig bei insgesamt rund 45.000 Einwohner:innen auf beiden Seiten des Flusses. Der Bereich „Neuigkeiten“ informiert über Straßenbauarbeiten ebenso wie über den Wasserschaden in der Stadtbibliothek. In „Gruppen“ organisieren sich dann Vereine, private Initiativen oder Institutionen: von der Foodsharing-Gruppe bis hin zu den Stadttaubenfreunden, aber auch Immobilienmakler und der örtliche Businesspark. Unter „Nachbarschaft“ zeigt die Plattform Mitglieder aus den umliegenden Straßen an.

Das ganze Stadtgeschehen in Rheinfelden auf einen Blick

Stefanie Franosz ist bei der Stadt Rheinfelden (Baden) für den Bereich Bürgerschaftliches Engagement verantwortlich und leitet das Projekt digitaler Dorfplatz mit. Sie beschreibt den zentralen Mehrwert des Angebots so: „Wenn ich die Plattform besuche, ist es tatsächlich wie ein Gang über den Dorfplatz. Ich sehe, was die Imker gerade machen, was die Volkshochschule anbietet oder wie die Saisonvorbereitung des Schwimmbads vorangeht. Es ist ein zentraler Ort, an dem die Infos zusammenlaufen.“

Foto: Stadtverwaltung Rheinfelden

Vereine können auf die Bürger:innen direkt zugehen, sie über ihre Angebote und ihre Aktivitäten informieren und einladen, sich zu engagieren. Ein besonderer Clou ist der interne Bereich der Gruppen. Die Mitglieder können sich in diesem Forum geschützt vernetzen. Dafür sind Chats eingerichtet, eine Live-Agenda, Helferlisten sowie Umfrage- und Diskussionstools – das alles kostenlos für die gemeinnützigen Organisationen.

Stefanie Franosz hat beispielsweise eine Gruppe für die örtliche Freiwilligenagentur eingerichtet. „Mitglieder der geschlossenen Gruppe sind meine Engagierten, die in der Agentur beraten. Durch diese Tools hat sich die digitale Zusammenarbeit sehr vereinfacht.“ Sie stellt Sitzungsprotokolle online oder wichtige Termine. Mit dem Umfragetool konnten bereits Plakatentwürfe für eine Kampagne zur Abstimmung gestellt werden.

Am Anfang stand der Wunsch der Bürger:innen

Entstanden ist die Idee, eine digitale Vernetzungsplattform ins Leben zu rufen, im Rahmen einer Planungswerkstatt von Bürger:innen. Das Format findet jährlich statt, seitdem Rheinfelden (Baden) Mitglied des bundesweiten Programms „Engagierte Stadt“ ist. Dort bestand der Wunsch nach einer einfachen und selbstständigen Vernetzung – etwa wenn man für den Tag der offenen Tür eine Kühltheke für den Kuchenverkauf ausleihen möchte oder weitere Engagierte für seinen Verein sucht. „Wir haben dann die konkreten Anforderungen zusammengetragen und verschiedene Plattformen daraufhin geprüft. Schließlich hat uns die Lösung Crossiety aus der Schweiz überzeugt – vor allem, was die besondere Herausforderung anging, zwei Schwesterstädte in verschiedenen Ländern zu verbinden“, erinnert sich Stefanie Franosz. Kosten entstehen für die einmalige Anpassung der Plattform sowie jährlich für Lizenz und Betreuung.

Blick hinter die Kulissen

Wie so häufig bei Plattformprojekten gibt es mindestens drei große Herausforderungen: die Finanzierung, die Konfigurierung und das Community-Building. „Tatsächlich war es sehr zeitaufwendig, eine Förderung einzuwerben. Am Ende konnten wir bei „Gemeinden, Städte und Landkreise 4.0 – Future Communities 2019“ die Mittel einwerben, einem Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg für die Digitalisierung der Kommunen. Die Anpassung fand dann im engen Austausch mit dem Betreiber Crossiety statt. Hauptaufgabe ist es aktuell, die Plattform noch bekannter zu machen, Nutzer:innen zu schulen etc.“, berichtet Stefanie Franosz. Von der ersten Präsentation bis zum fertigen Dorfplatz verging ein ganzes Jahr.

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Im November 2020 wurde die Plattform online gestellt, ohne dies breit zu kommunizieren. In dieser Phase hat das Projektteam viele Menschen und Institutionen in Rheinfelden angesprochen und zum Mitmachen animiert. Auf diese Weise war die Plattform zum offiziellen Launch zwei Monate später bereits mit etlichen Inhalten befüllt. Inzwischen funktioniert der Dorfplatz in der Eigenregie der örtlichen Community und die Plattform zählt bereits über 2.100 Mitglieder.

Im Austausch bleiben – gerade in der Pandemie

Gerade in der Pandemie, als persönliche Kontakte runtergefahren wurden, war die Plattform eine Chance, im Austausch zu bleiben. Vorgemacht hat es das Familienzentrum der Stadt. Dieses veranstaltet einmal im Jahr eine Pflanzentauschbörse. Vor Corona kamen die Rheinfeldener:innen einfach in den Kulturpark und brachten ihre Setzlinge mit. In der Pandemie war ein neues Konzept gefragt. Eine Mitarbeiterin kam auf die Idee, den Pflanzentausch online zu organisieren. Mit Crossiety gab es ein digitales Forum, in dem jede:r die Pflanzen inserieren konnte, die er oder sie übrig hatte. Im Garten des Familienzentrums konnte man diese dann deponieren bzw. abholen. Die Aktion wurde ein voller Erfolg und bescherte dem Familienzentrum eine ganze Menge Aufmerksamkeit.

Und dies war erst der Anfang. Birgitt Kiefer, Geschäftsführerin vom Familienzentrum Rheinfelden, formuliert es so: „Wir vom Familienzentrum nutzen Crossiety inzwischen regelmäßig, um unsere Angebote bekannter zu machen: von der Beratung und Betreuung über unseren Secondhand-Laden bis zur Familienküche. Über die Plattform erreichen wir auch Rheinfeldener:innen, mit denen wir vorher noch gar nicht in Kontakt waren!“

Der kleine große Schritt über die Grenze

Die beiden Rheinfelden trennt zwar ein Fluss, dennoch war der Kontakt schon immer eng. Im kulturellen Bereich gibt es ein gemeinsames Veranstaltungsmagazin, jährlich findet mit der „Brückensensation“ ein grenzüberschreitendes Straßentheaterfestival dort statt, wo sich Rheinfelden (Baden) und Rheinfelden (Aargau) treffen. Auch bei vielen Aktivitäten der „Engagierten Stadt“ auf der Badener Seite wird die Schwesterstadt einbezogen. Mit der gemeinsamen App fällt es nun noch leichter, mitzubekommen, was alles auf der anderen Flussseite passiert.

Manchmal ermöglicht die Plattform auch ganz praktische Anlässe, die Uferseite zu wechseln. Birgitt Kiefer vom Familienzentrum Rheinfelden (Baden): „Mit Crossiety ist man noch schneller auf der schweizerischen Seite. Neulich haben wir Gartenstühle gesucht und darüber eine günstige Garnitur in Rheinfelden (Aargau) gefunden. Die Plattform hilft dabei, auch über die Grenze zu schauen. Es ist wie ein Spaziergang durch die Gemeinde – und zwar auf beiden Seiten des Flusses!“

www.crossiety.de/rheinfelden

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