So gehen Spendenformulare

Ein Online-Formular ist nur ein Formular – und erst einmal der langweiligste Ort im Internet. Aber ohne Formular kommt die Spende online nicht zur Organisation. Deshalb gilt es für Organisationen, die Formulare für ihre Spender:innen so einfach wie möglich zu machen. Unser Gastautor Jona Hölderle erklärt im zweiten Beitrag unserer Serie zu Online-Fundraising, wie’s am besten geht.

Symbolbild: Online Spendenformular. Foto von einem Smartphone, das ein Mensch in der Hand hat. Darauf ist ein Notizzettel mit dem Text "Sign here"

Jetzt ist es leider so weit. Wir müssen über Formulare reden, so langweilig das auch sein mag. Für viele ist ein Spendenformular schon das ganze Online Fundraising. Das ist natürlich Quatsch. Ein Formular überzeugt niemanden zum Spenden. Aber: Wenn sich jemand vorstellen kann zu spenden, wenn jemand schon an anderer Stelle überzeugt wurde, dann sollte es nicht an der Abwicklung scheitern.

Ein Spendenformular hat also nur einen Zweck: Die Spendenwilligen sollen spenden können. Dabei ist es besonders wichtig, die Hürde für die Spende so gering wie möglich zu halten. Stellen wir uns vor, eine potenzielle Spenderin ist auf unserer Website, denkt sich „Tolle Organisation, die möchte ich unterstützen“ – und kann dies nicht tun. Vielleicht steht irgendwo eine hässliche IBAN-Nummer, aber der Aufwand diese zu kopieren, ins Online Banking (wenn gerade zur Hand) zu gehen und zu überweisen ist einfach zu hoch. Die meisten Menschen denken in dieser Situation: Das mache ich später. Später bedeutet leider in der Regel nie.

Glühbirne

Ein Spendenformular hat also nur eine einfache Anforderung: Es muss einfach sein. Menschen wollen für einen guten Zweck spenden, sie wollen die Welt verändern – keine Formulare ausfüllen!

Das Zahlungsmittel der Wahl

Ein Rapper wirft mit Geldscheinen - das sollte bei Spendenformularen auch passieren.
Da Barzahlen online nicht geht, braucht es das richtige digitale Zahlungsmittel. (Quelle: Giphy)

Wie kommt das Geld von A (Mensch) nach B (Organisation)? Da Barzahlung im Internet keine Option ist, brauchen wir eine andere Möglichkeit, besser, noch mehrere Möglichkeiten. Dabei gilt vielfach überstrapazierte Spruch, dass der Köder dem Fisch schmecken muss. Es sollten also Zahlungswege angeboten werden, die dafür sorgen, dass mehr Menschen einfach spenden können!

  • Wir können Menschen bitten, uns Geld zu überweisen. Dies ist für die Organisation am einfachsten. Einfach eine IBAN-Nummer angeben und fertig. Für die Spendenden bedeutet diese Form der Transaktion aber den größten Aufwand. Zudem haben Organisationen nur wenig Information über die Spendenden. Trotzdem sollte sich auch bei noch so schönen Formularen immer eine Kontonummer als Alternative anbieten. Dies ist eine Möglichkeit, um günstig und weitgehend anonym auch große Summen zu spenden.
  • Die Lastschrift, als deutsche Besonderheit, eignet sich hervorragend für Spenden. Da sie bis zu acht Wochen nach Transfer einfach rückgängig gemacht werden kann ist sie im Shopping nicht sehr beliebt, bei freiwilligen Spenden ohne Gegenleistung ist das aber kein Problem. Lastschrift bedeutet aber auch, dass die Spendenden ihre sperrige IBAN eingeben müssen. Organisationen müssen die Daten sicher an die Bank übermitteln. Ein recht hoher Aufwand, dafür entstehen jedoch kaum Kosten – und die Übermittlung ist technisch einfach. Ebenfalls positiv: Lastschrift ist mit jedem Giro-Konto möglich – und eignet sich auch hervorragend für Dauerspenden.
  • Paypal hat sich zum wichtigsten Zahlungsmittel für Einzelspenden gemausert. Die Spendenden brauchen nur ihre E-Mail-Adresse und das Passwort oder die passende App. Die Zahlung ist in Sekunden auf dem anderen Konto. Eigentlich ideal. Hier gibt es nur zwei kleine Nachteile. (1) Die Verbreitung. Mit 30 Millionen Nutzer:innen in Deutschland ist Paypal zwar das weitverbreitetste Online-Zahlungssystem, aber trotzdem gibt es noch viele Nichtangemeldete. (2) Paypal kostet Gebühren. In der Regel 1,5 Prozent der Spendensumme + 35 Cent pro Spende. Dies bedeutet bei einer 70 Euro Spende Kosten von 2 Prozent, während bei einer 5 Euro Spende schon Kosten von mehr als 8 Prozent entstehen.
  • Anders als in anderen Ländern spielt die Kreditkartenzahlung in Deutschland im Spendenbereich keine ganz so große Rolle. Dafür ist die Einbindung verhältnismäßig kompliziert und teuer. Die Kreditkarte als Spendenmittel lohnt sich vor allem dann, wenn die Organisation auch Spenden außerhalb von Deutschland entgegennimmt oder besonders viele Business People unter den Spendenden hat.
  • Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer spannender Zahlungsmittel wie Giropay, Klarna, Google Pay oder Android Pay. Insbesondere die Frage nach mobilem Bezahlen spielt hier eine große Rolle und sollte für die Zukunft betrachtet werden. Momentan spielen diese Zahlungsarten aber noch eine untergeordnete Rolle.
Glühbirne

Für Einzelspenden sollte auf jeden Fall Paypal und Lastschrift angeboten werden. Wenn die Organisation es leisten kann, können weitere Zahlungsmittel hinzukommen. Dauerspenden werden noch zu über 95 Prozent über Lastschrift abgewickelt. Aber regelmäßige Zahlungen sind mittlerweile auch mit Paypal und Kreditkarte möglich.

Weil einfach einfach einfach ist

Aus der Reality Show Survivor sieht man eine Teilnehmerin die sagt "keep it simple stupid" - genau wie bei Spendenformularen
Einfach soll es sein. Aber für die Spendenden, nicht nur für die Organisation. (Quelle: Giphy)

Welche Felder braucht ein Formular jetzt noch? Klar: So wenige wie möglich, denn wir wollen das Spenden ja einfach machen. Gleichzeitig sollte sich aber auch jede Organisation fragen, welche Daten sie braucht, um nach der Spende mit den Spendenden in Kontakt bleiben zu können. Also: So wenig Formularfelder wie möglich, so viele wie nötig. Zwei Felder kann ich aber immer empfehlen. Zum einen die E-Mail-Adresse, sie bildet die Basis für eine gute Kommunikation. Also eine Bestätigungs-E-Mail, ein persönlicher Dank, vielleicht sogar Projektupdates. Wird ein Newsletter-Opt-in eingeholt, ist noch viel mehr möglich. Zum anderen ein freies Textfeld für eine Nachricht an die Organisation. Lasst die Spendenden zu Wort kommen, ihre Motivation erzählen oder ihre Fragen stellen.

Natürlich können wir noch viel mehr Daten abfragen. Die Adresse zum Beispiel um Spendenbescheinigungen, Dankesbriefe oder Mailings zu versenden. Aber jedes Feld macht das Formular komplizierter und unangenehmer für die Spendenden. Am unangenehmsten empfinden viele Spendenden dabei oft Geburtsdatum und Telefonnummer. Zur Einfachheit eines Formulars gehört es auch, dass das Formular schön gestaltet und sicher ist. Die Gestaltung bedeutet, dass Felder eine passende Größe haben, vielleicht Vorname und Nachname in einer Zeile angeordnet sind. Die Reihenfolge der Formularfelder den Gewohnheiten der Nutzenden entspricht. Zur Sicherheit gehört, Formulare nur auf verschlüsselten Seiten einzubinden und keine wichtigen Daten via E-Mail zu übertragen.

Ich habe gesagt, Formulare sind langweilig. Aber sie dürfen natürlich auch Spaß machen. Vielleicht kann man die Spendensumme mit einem Regler frei wählen, vielleicht bekommt man witzige Beispieldaten angezeigt. Und was passiert rund um das Formular? Ist dort ein schönes Bild, sind Ansprechpersonen zu sehen, werde ich darin bestärkt, das Richtige zu tun?

Der Weg zum Formular

Jetzt haben wir lange um den heißen Brei herumgeredet. Wie komme ich nun zu einem Spendenformular? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Sie hängt davon ab, wie die Organisation aufgestellt ist, wie viele Spenden erwartet werden und welche Arten von Spenden (Einzelspende, Mitgliedschaft, Spendenshop, etc.) angeboten werden. Die vier am häufigsten genutzen Möglichkeiten sind Folgende:

  1. bereits bestehende Formulare von Spendenplattformen
    Spendenplattformen wie betterplace oder helpdirect bieten den dort registrierten Organisationen auch Spendenformulare an, um sie direkt auf der eigenen Website einzubinden. Das ist grundsätzlich die einfachste Form, um an ein Formular zu kommen. Es gibt nur zwei potentielle Nachteile. Manche Plattformen wickeln die Spende auch komplett eigenständig ab – und stellen auch eigene Spendenbescheinigungen aus. Das bedeutet für kleine ehrenamtliche Organisationen einen verminderten Aufwand, ermöglicht aber auch nur einen beschränkten Kontakt zu den Spendenden. Und von diesem Kontakt lebt das Fundraising. Andere Plattformen fragen im Formular selber um eine Spende zur Finanzierung der Plattform. Dies ist vollkommen berechtigt, drängelt sich jedoch in die Beziehung zu den Spendenden. Eine Besonderheit stellt das von Paypal bereitgestellte Spendenformular da. Dies ist ebenfalls sehr einfach einzubinden, schreckt aber Spenderinnen und Spender ab, die kein Paypal-Konto besitzen.
    Empfehlung: Für kleine, ehrenamtliche Organisationen mit kleinem Spendenvolumen und ohne professionelle Buchhaltung.
  2. selbstgebaute Formulare
    Gerade Lastschriften lassen sich sehr leicht in selbsterstellten Formularen anbieten. Da aber idealerweise immer mehrere Zahlungsmöglichkeiten angeboten werden, ist dies für Einzelspenden keine ideale Lösung. Für Mitgliedschaften und Dauerspenden lohnen sich eigene Formulare aber nach wie vor.
    Empfehlung: Für technisch versierte Organisationen oder Organisationen, welche nur Dauerspenden/Mitgliedschaften ermöglichen.
  3. Formulare der Hausbank
    Einige Banken wie die GLS oder die Bank für Sozialwirtschaft, aber auch lokale Volksbanken und Sparkassen, bieten Spendenformulare für ihre Kund:innen an. Diese bieten vor allem den Vorteil geringer Kosten und einer einfachen Abwicklung. Die Lastschrifteinzüge werden dabei direkt an die Bank gegeben, ohne dass die Organisation selber tätig werden muss.
    Empfehlung: Für kleine und mittlere Organisationen, deren Hausbank ein solches Formular anbietet.
  4. Professionelle Formularanbieter
    Zudem gibt es eine ganze Reihe von Firmen wie Fundraisingbox, Twingle, Altruja, Spendino & Co., welche sich auf professionelle Fundraisinglösungen spezialisiert haben. Diese bieten sichere, gut gestaltete Formulare, eine Anbindung an fast alle Zahlungsanbieter, sowie Schnittstellen zu den gängigsten Spendenverwaltungen. Diese Dienstleistung lassen sich die Anbieter aber auch etwas kosten. Für kleine Organisationen lohnen sich hier Formulare ohne Grundgebühr wie Twingle. Für Organisationen, die auch eine Spender:innenverwaltung (CRM) brauchen, gibt es Anbieter wie die Fundraisingbox.

Ein Formular ist nur ein Formular

Mit dem Formular haben wir die Basis dafür gelegt, Spenden entgegen zu nehmen. Das Formular befreit aber nicht von der Aufgabe, Menschen auch wirklich von einer Spende zu überzeugen. Hierfür braucht es dann die geballte Kraft der Organisation: Über E-Mail und Social Media muss auf die Arbeit aufmerksam gemacht werden. Auf der Website muss überzeugend dargestellt werden, warum eine Spende notwendig ist und welche Veränderung eine Spende bewirken kann. Das Formular ist daher immer nur der zweite Schritt – die überzeugten Menschen auch wirklich zu Spenderinnen und Spendern zu machen!

Creative Commons Lizenzvertrag

Der Artikel steht unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Weitere Beiträge aus unserer Serie zu Online-Fundraising

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr Beiträge aus dem Magazin

D3 – so geht digital ist ein Projekt der     gefördert durch