D3 on Tour – Techfestival Copenhagen – Tag 1

“Where humanity and technology meet” Das Techfestival in Kopenhagen steht unter einem ganz besonderen Motto. Technik, Menschlichkeit und Gemeinwohl – das klingt nach unseren Themen! Deshalb sind wir im Rahmen unserer D3 Tour nach Dänemark gereist, um die aktuellen Trends und Diskussionen für euch aufzuspüren.

Something is rotten in the state of Denmark! Wirklich? Nun, nicht unbedingt in Dänemark. Ganz bestimmt aber in der Tech-Industrie. Doch auch hier ist man sich sich mittlerweile einig: Mit der “Höher, schneller, weiter”-Philosophie der letzten Jahre kommen wir nicht weiter. Nicht die Technik sollte unsere Zukunft gestalten, nicht der Profit die Entscheidungen vorgeben – sondern die Menschen. 

Deshalb wurde vor zwei Jahren das Techfestival ins Leben gerufen – zu dem auch D3 – so geht digital in diesem Jahr reisen durfte. 

Unter dem Motto “Where humanity and technology meet” erwarten uns zwei Tage intensiver Sessions, inspirierender Talks und handfester Workshops. Gäste aus der Tech-Wirtschaft, internationalen Regierungen und der Wissenschaft stellen sich die Frage: Wie möchten wir in Zukunft leben, arbeiten und unsere Freizeit verbringen? Welche Rolle spielt die Technik – welche Verantwortung tragen Unternehmen und wie sollte sich der Mensch in diesem Spannungsfeld positionieren? 

Welche Antworten wir in zwei Tagen auf diese Fragen gefunden haben, lest ihr im Recap.

Tag 1: Der Community Leadership Summit

Nach einer abenteuerlichen Anreise mit Bus und Bahn betreten wir am Freitagmorgen das Eventgelände im Kopenhagener Meat District. Der stimmungsvolle Weg zum Festival-Gelände führt uns einmal quer durch historische Schlachthäuser, die selbst in der freundlichen Morgensonne einen morbiden Charme verbreiten. Schnell das Festivalbändchen am Haupteingang abgeholt, geht es weiter zum Digital Community Leadership Summit, der sich ausgerechnet in einem dieser alten Schlachthäuser abspielen wird. 

Dort angekommen, werden wir direkt von Severin Matusek, in Empfang genommen. Severin ist der Gründer von Co-Matters, einem Projekt, das sich mit der Erforschung von Communitys und ihrer Bedeutung beschäftigt. Und so lag es nur Nahe, das Severin auch den folgenden Summit moderieren würde. 

Der Community Leadership Summit wartet nicht nur mit einem komplizierten Namen, sondern auch mit einem interessanten Line-up auf. In einer ersten kurzen Einführung erklärt Severin, wie eine Community im digitalen Zeitalter funktioniert und welche Rolle sie spielen, wenn man gemeinsam ein Ziel erreichen möchte. 

Die Unterschiede zwischen einer Community und einem „Movement“ – einer Online-Bewegung. Zusammengestellt von Severin Matusek von Co-Matter.

Nach diesem ersten Input folgen einige spannenden Lightning Talks  – unter anderem vom FabLab Barcelona, Extinction Rebellion DK, der britischen Regierung und We Are Museums, die sich alle mit dem Aufbau und der Nutzung von Communities und ihrem Wissen und Kompetenzen weiterentwickeln. Besonders spannend war der Input von “We are Museums”, die sich Prinzipien aus der Natur bedienen, um ihre Communities aufzubauen, ihnen Raum zu geben und sie so zu aktiven Beteiligten zu machen. 

Ganz im Sinne des Barcamps, organisieren die Teilnehmenden die einzelnen Diskussionsrunden am Nachmittag selbst. Nach einer Themensammlung finden sich so verschiedene Gruppen zusammen, um über die verschiedenen Aspekte des Community-Aufbaus und der Community-Pflege zu sprechen. Wir entscheiden uns für die Sessions “Communities online und offline” und “Tools”. 

Eine Bierbank mit verschiedenen Post-its. Auf einem pinken Post-it steht: "How do I manage Social Media for my Community?"

Soviel sei verraten: Das Master-Tool, das all unsere Probleme lösen kann, haben wir nicht gefunden. Spannend ist dennoch der Austausch zwischen Regierungsvertreter:innen, der Perspektive aus der Wirtschaft und dem gemeinnützigen Sektor – denn letztendlich haben sie alle die Gemeinsamkeit, Menschen zusammenbringen zu wollen. Und hierbei können Tools immer nur ein kleines Rädchen in einem gut durchdachten Konzept sein. Denn: Menschen müssen vor allem einen Sinn für sich darin sehen, Teil einer Community zu sein. Dann werden sie aktiv und bleiben auch am Ball. Spannend, oder?

Zum Abschluss ist Severin Matusek noch so freundlich, uns seine drei Erfolgstipps für gute und funktionierende Communities zu verraten:

Talks, talks, talks

Nach diesem interaktiven Format freuen wir uns darauf, den frühen Abend mit einigen spannenden Talks zu begehen. Auf der Agenda steht als erstes George Roten von Mozilla mit dem Thema: “Mozilla & Open AI: How a data commons and collaborative technology can democratize speech recognition.”

Anhand des Beispiels der Spracherkennung widmet sich George Roten dem Thema “technology bias”. Denn aktuelle Spracherkennungssoftware funktioniert am besten mit männlichen Stimmen, ohne Akzent oder Sprachfehler – und auch nur in gängigen Sprachen, in denen die Software trainiert wurde. Frauen- oder Kinderstimmen, Menschen mit Spracheinschränkungen oder mit Akzenten werden deutlich schlechter erkannt und verstanden – in einem Zeitalter, in dem Spracherkennung immer wichtiger wird, ist das ein großer Nachteil für die Betroffenen. 

Mit dem Projekt “Common Voice” (https://voice.mozilla.org/de) nimmt Mozilla sich dieser Problematik an – und zwar mit Hilfe von Open Data. Menschen auf der ganzen Welt haben hier die Möglichkeit, ihre Stimme als Datenspende einzureichen. Die eingegangenen Datenspenden werden dann durch die Community ausgewertet – sprich: Muttersprachliche Nutzer:innen bewerten die eingesandten Sprachproben nach ihrer Korrektheit. Die so entstehenden Datenmengen werden Entwickler:innen von Spracherkennungssoftware zur Verfügung gestellt, sodass sie ihre Software damit trainieren können. So können Softwares mit unterschiedlichen und diversen Stimmtypen und Sprachen trainiert werden und ihre Leistung deutlich steigern.

Der zweite Talk des Abends kommt von Sarah Drinkwater, der Gründerin des Omydiar Netzwerks – einer Investmentfirma für soziale Unternehmen.

Die Sozialunternehmerin und frühere Google-Angestellte setzt sich in ihrem Talk mit der Frage nach der Verantwortung von Tech-Unternehmen auseinander. Wahlbeeinflussung, Hassrede, Datenklau – in der heutigen zeit könnte man sich durchaus die Frage stellen, ob sich die Technik bereits gegen uns gestellt hat und die Gesellschaft spaltet.

Unter dem Motto „Tools are not neutral“ zeigt sie, dass Entwickler:innen bei der Gestaltugn dieser Platformen und Tools eine große Verantwortugn zukommt. Ihr Fazit: Es gibt eine große Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Nutzer:innen fordern verstärkt Produkte und Dienstleistungen, die einem ethischen Anspruch gerecht werden. Nun sind die Unternehmen am Zug, diesem Wunsch nachzukommen! Dem können wir nur zustimmen!

Ein Highlight des Abends bietet sicherlich ein Name, den nicht alle unter uns kennen werden: Chris Messina. Es handelt sich um niemand geringeren als den Erfinder des Hashtags! Als er Twitter 2007 vorschlug, den Hashtag als Kommunikationstool einzuführen, schlug ihm recht heftiger Gegenwind entgegen. Gut, dass Twitter das Potential dennoch erkannt hat!

Messina endet seine Keynote mit einem Apell an die Gestalter:innen von sozialen Plattformen und an seine Nutzer:innen. „We have to put social media back on track!“ Chapeau Mr. Hashtag!

Und damit verabschieden wir uns vom ersten Tag des Techfestivals – morgen gibt es dann den Recap von Tag zwei!

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