Bessere lnteraktion in Online-Workshops erzeugen

Methoden für mehr Interaktion in Online-Workshops gibt es viele. Einige davon haben wir euch in den vergangenen Monaten vorgestellt. In diesem Beitrag zeigt Sören Etler von der Blaue Dächer Digitalwerkstatt, wie man aus diesen einzelnen Interaktionen ein Gesamtkonzept plant. Denn: Erst im Zusammenspiel nutzen viele Interaktionsmethoden ihre volle Kraft.

Eine spirale bunter Fenster

Fangen wir mit einem Negativbeispiel an, das bestimmt schon jede:r von uns erlebt hat: Der Noch-Fragen-Workshop. Erst wird für 50 Minuten durchgeredet. Der lange Input zeichnet sich dadurch aus, dass zwar rhetorische Fragen gestellt werden, bevor aber die Teilnehmenden auch nur ansetzen können ihre Gedanken beizutragen, werden diese von den Referierenden selbst beantwortet. Im Anschluss wird eine obligatorische Fragerunde eröffnet: “Gibt es noch Fragen dazu?” Die meisten der Teilnehmenden haben zu diesem Zeitpunkt schon die Kamera ausgeschaltet und sich hinter der schwarzen Kachel in der Videokonferenz versteckt. Kein Wunder, dass sich niemand mehr traut eine Frage zu stellen. Die Interaktion kam viel zu spät und die Teilnehmenden waren nicht darauf vorbereitet.

Kleine Interaktionen, die aufeinander aufbauen.

Meist haben wir eine große Interaktion in einem Online-Workshop: das kann die Fragerunde oder Diskussion am Ende sein oder die Gruppenarbeit. Vielleicht ist es auch die Brainstorming Session, bei der die Teilnehmenden ihre Ideen sammeln sollen. Auf diese Höhepunkt im Workshop sollten wir schon früh mit kleinen Interaktionen hinarbeiten. Nicht nur inhaltlich – sondern auch methodisch.

In meinem Blogbeitrag zum Thema Tool-Minimalismus habe ich festgehalten, dass es wichtig ist, kritisch zu evaluieren, welche der Tools, die ihr einsetzt, einen wirklichen Mehrwert für die Teilnehmenden bieten. Wenn wir uns dann auf wenige Tools fokussieren, können wir die Teilnehmenden auch im Workshop auf die Nutzung vorbereiten.

Interaktion: Info- und Textgrafik. Führe deine Teilnehmenden durch einen Interaktionsfunnel. Trichtersymbol auf dem Bild zeigt den Interaktionsfunnel zwischen Mikro- und Makrointeraktionen.

Das geschieht im Interaktionsfunnel. Dieser hilft dabei, eine Struktur zu entwickeln, in der die Teilnehmenden geleitet werden: Wie werden sie durch Mikrointeraktionen zu Makrointeraktionen geführt?

  • Version 1: Wir wollen die Fragen im Chat sammeln und die Moderation wird diese dann aufgreifen und dem/der Referierenden stellen. Wir können die Teilnehmenden bei der Begrüßung schon bitten, ihre Vorstellung in den Chat zu schreiben, sodass sie mit dem Chat der Videokonferenzsoftware vertraut sind und ihn schon geöffnet haben.
  • Version 2: Die Fragen werden von den Teilnehmenden selbst an den/die Referierenden gestellt. Um Hemmungen abzubauen und auch sicherzustellen, dass alles technisch funktioniert, können wir auch schon die Vorstellung mit kurzen Wortbeiträgen machen. So sind die Fragen nicht die erste Wortmeldung der Teilnehmenden im Workshop.

Die richtigen Weichen stellen

Mit bewusst ausgewählten Mikrointeraktionen – wie Handzeichen oder dem Schreiben in den Chat – können wir alle Teilnehmenden auf „große“ Interaktionen vorbereiten. Diese kleinen Interaktionen müssen nicht immer einen inhaltlichen Beitrag zum Workshop haben. In einem meiner Workshops haben die Teilnehmenden beispielsweise ihr Ziel für den Workshop am Anfang auf ein Blatt Papier geschrieben und in die Kamera gehalten. Natürlich hätte das Schreiben in den Chat den gleichen inhaltlichen Effekt gehabt. Primär ging es mir bei der Auswahl dieser Methode allerdings darum, dass alle Teilnehmenden die Kamera anschalten, bevor sie sich in den anschließenden Break-Out-Sessions austauschen.

Natürlich bestehen Workshops nicht nur aus Vorstellung, Input und Fragen. Auch in komplexeren Workshops mit vielen Interaktionsblöcken können wir darauf achten, dass diese Interaktionen aufeinander aufbauen – und neben ihrem Inhalt auch auf den methodischen Verlauf achten. Das hilft nicht nur uns, sondern auch den Teilnehmenden. Es ist nur fair den Teilnehmenden gegenüber, weil ihnen dadurch möglich wird, ihr gesamte Wissen zu nutzen. Mit Stress oder Fokus auf die Methode, die ich erst verstehen muss, geht das nicht.

Die Think-Pair-Share-Methode macht sich genau dieses Aufeinander-Aufbauen zu nutze. Erst überlegen die Teilnehmenden alleine in der Think-Phase ihre Antwort zu einer Frage. Anschließend wird diese Antwort in einer Kleingruppe (z.B. 2 Personen=Pair) diskutiert. In der Share-Phase werden die Lösung, Idee oder die gesammelten Gedanken im Plenum vorgestellt.
(Mehr solcher kleiner Methoden bieten auch die Liberating Structures!)

Fazit: Mehr Interaktion

Interaktionen in Online-Workshop sind wichtig und tragen zu lebendigen Veranstaltungen bei. Sie dürfen aber nicht isoliert betrachtet werden. Im Zusammenspiel zwischen verschiedenen Interaktionen können wir die Teilnehmenden durch den Workshop führen. Mit kleinen Mikrointeraktionen bauen wir den Weg zu komplexeren Makrointeraktionen. Diesen Weg sollten Referierende nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch denken.

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