Gemeinsam lernen: Wie organisiert man ein Barcamp?

Wir alle waren schon einmal in einer Bar, viele von uns haben schon einmal gecampt. Aber wie geht das ganze jetzt zusammen? Nun, ein Barcamp hat erst einmal mit keinem von beiden besonders viel zu tun. Die auch als „Unkonferenz“ bezeichnete Art des Zusammentreffens findet weder in einer Bar noch zwangsläufig im Freien statt. Frei ist sie dennoch. Denn: Das Programm ist „geplant ungeplant“. Niemand weiß vorher, welche Themen und Vorträge stattfinden. Das Programm entsteht am Tag selbst und wird von den Teilnehmenden gemeinsam bestimmt.

In der Stiftung Bürgermut setzen wir in unserem Programm openTransfer seit vielen Jahren erfolgreich Barcamps um. Warum wir das Format weiterhin großartig finden und wie auch ihr mit relativ einfachen Mitteln ein Barcamp veranstalten könnt, lest ihr hier.

So läuft ein Barcamp ab

Die „Unkonferenz“ wird von den Teilnehmenden gestaltet und abgehalten. Das Credo: Kein Frontalunterricht von eingekauften Expert:innen, sondern das Wissen der Community soll genutzt und weitergegeben werden. Alle Gäste gestalten die Vorträge und das Programm am Tag der Veranstaltung – spontan, gemeinsam und engagiert.

Auf einem Barcamp teilen die Besucherinnen und Besucher ganz ohne Hierarchien ihr Wissen, diskutieren ihre Fragen, sammeln neue Erfahrungen, Einsichten und Kontakte. Und sie entdecken Ideen und Modelle, Tools und Techniken.

Der Session-Plan beim openTransfer Camp #demokratie
© Henning Schacht (www.berlinpressphoto.de )

So geht es los: Ein:e Moderator:in begrüßt die Teilnehmenden und erklärt, wie der Tag abläuft. Danach folgt eine kurze Vorstellungsrunde, bei der im Idealfall jede:r der Anwesenden einen Satz zu sich sagt. Dann kann es auch schon mit der inhaltlichen Planung losgehen: Alle, die eine Idee für einen Workshop oder eine Diskussionsrunde haben, betreten die Bühne und können ihre Vorschläge im Plenum präsentieren. Diese Ideen werden schriftlich auf Karten festgehalten. Gemeinsam wird dann ein Tagesplan erstellt und die Workshops und Diskussionsrunden, „Sessions“ genannt, beginnen. Die Zweiteilung in Referent:innen sowie Zuhörer:innen entfällt. Alle können sich aktiv beteiligen und so besonders viel von der Veranstaltung mitnehmen.

So führt ihr ein Barcamp durch

Step 1: Die richtige Location

openTransfer Camp #Green 2019 – Fotocredit: Jörg Farys | opentransfer.de

Die richtige Location für ein Barcamp zu finden, ist gar nicht so einfach – denn hier liegt der Teufel im Detail. Zunächst benötigt ihr einen Ort, der die offene und lockere Atmosphäre des Barcamps unterstützt – denn die Atmosphäre der Räume wirkt sich unmittelbar auf die Stimmung eurer Gäste aus.

Für das Zusammentreffen benötigt ihr einen relativ großen Raum (im Idealfall mit Bühne), in dem alle Beteiligten Platz finden. Dieser wird für alle gemeinsamen Phase des Barcamps (Begrüßung, Einführung und Abschlusspräsentationen) benötigt. Für die Arbeitsphase ist zudem eine ruhige und inspirierende Umgebung förderlich. Voraussetzung ist also eine Mischung aus mehreren getrennten Räumen. Hier bedarf es diverser Arbeitsräume, die variabel mit Tischen und Stühlen ausgestattet werden können. Die Anzahl der Arbeitsräume ist abhängig von eurer geplanten Veranstaltungsgröße.

Step 2: Teilnehmende recherchieren und einladen

openTransfer Camp #Green 2019 – Fotocredit: Jörg Farys | opentransfer.de

Zunächst gilt es, eure Zielgruppe zu definieren. Wen interessiert euer Thema und welche Perspektiven möchtet ihr unbedingt vertreten wissen?

Mit der definierten Zielgruppe könnt ihr nun mit der Akquise und Einladung von Teilnehmenden beginnen. Hierbei ist es besonders wichtig, den richtigen Ton für die richtige Person zu finden, da möglicherweise ein Sportverein eine andere Ansprache benötigt, als beispielsweise eine Stiftung, die die Integration von Kindern fördert. Hier lohnt es sich, seine Zielgruppe noch etwas zu selektieren und die Argumente und Formulierungen für die Einladung anzupassen.

Um den Überblick über Zusagen und Teilnehmende zur Veranstaltung zu behalten, haben sich Anmeldeformulare auf eurer Website oder auch ein Management über die Plattform „Eventbrite“ (oder ähnliche) bewährt. Hier könnt ihr bereits für euch interessante Informationen, wie Organisation, die Motivation dun die gewünschten Themen der Teilnehmenden abfragen. Wichtig ist zudem, dass ihr bereits während der Anmeldung eine Fotofreigabe der Teilnehmenden einholt.

Step 4: Moderation sicherstellen

Obwohl und gerade weil ein Barcamp eine sehr freie Veranstaltungsform ist, benötigt man zur Durchführung eine Moderation, die durch den Tag führt, das Vorgehen für alle verständlich erklärt, die Sessionplanung anleitet und am Ende die wichtigsten Ergebnisse für alle festhält.

Step 5: Die „Barcampregeln“ kennen und berücksichtigen

Eine der wichtigsten „Regeln“ bei einem Barcamp besteht darin, dass es keine Regeln gibt. Wie ein Barcamp abläuft, welche Themen behandelt werden und wie die Diskussionen gestaltet sind, bestimmen die Teilnehmenden. Dennoch gibt es einige Richtlinien, die man kennen und berücksichtigen sollte, damit das Barcamp ein voller Erfolg wird.

Bei uns haben sich folgende Regeln bewährt:

#keine Zuschauer:innen

Es gibt keine Referent:innen. Alle sind Teilnehmende. Es geht um aktive Diskussion und Austausch. Lehnt euch also nicht zurück und hört zu, sondern bringt euch gerne aktiv in die Diskussion ein.

#geplant ungeplant
Die Tagesordnung entsteht erst am Tag der Veranstaltung während der Sessionplanung.

#keine Hierarchien
Die berufliche Position oder das Alter der Teilnehmenden spielt keine Rolle. Es geht um eure Ideen.

#Mehrwert
Achtet darauf, dass alle Teilnehmenden einen Mehrwert aus der Session mitnehmen. Das heißt ihr solltet als jemand, der eine Session anbietet nicht nur euer eigenes Projekt vorstellen, sondern möglichst schnell in die Diskussion mit den anderen Teilnehmenden kommen, denn alle hier im Raum haben ganz viele Erfahrungen, die sie teilen können.

#nur Mut
Auch unreife Ideen oder Konzepte in der Anfangsphase sind für andere interessant und können gerne vorgestellt und diskutiert werden. Auch wenn ihr zum ersten Mal auf einem Barcamp seid – keine Scheu – bringt euch ein

#Law of 2 feet
Falls ihr während einer Session feststellt, dass ihr euch etwas anderes vorgestellt habt oder das Thema doch nicht das richtige für euch ist, dann verlasst gerne den Raum, schaut noch mal auf den Sessionplan und wechselt in eine andere Session. Es werden immer mehrere Sessions parallel laufen. Ihr habt also die Wahl und könnt gerne auch zwischendrin wechseln. Das ist nicht unhöflich gegenüber dem Sessiongeber:in, sondern ist Teil des Konzepts eines Barcamps. Es geht darum, dass ihr einen möglichst großen Mehrwert am Ende habt.

#spread the word

Tragt die Ergebnisse des Tages gerne nach draußen, erzählt euren Freunden und Bekannten davon und teilt euer Wissen.

Checkliste für ein erfolgreiches Barcamp

  • Findet eine Location, die eine gute Atmosphäre unterstützt und Platz zum konzentrierten Zusammenarbeiten bietet.
  • Nehmt euch Zeit zur Recherche eurer Gästeliste.
  • Nehmt euch Zeit, um eure potentiellen Gäste möglichst individuell anzusprechen.
  • Kümmert euch um eine gute (im Idealfall erfahrene) Moderation.
  • Kennt und befolgt die Barcamp-Regeln!
Creative Commons Lizenzvertrag

Der Artikel steht unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Du hast den Artikel zu Ende gelesen. Bewerte jetzt wie er dir gefallen hat oder
[Total: 4 Durchschnitt: 5]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr Beiträge aus P2P

Was ist eine Warp Conference?

Das Format Warp Conference ist vom Speed-Dating abgeleitet. Ihr Ziel: Ein schneller, themenbezogener Informationsaustausch innerhalb kürzester Zeit. Ein Austausch mit Warp-Antrieb, der euch mit Überlichtgeschwindigkeit [...]

D3 – so geht digital ist ein Projekt der     gefördert durch