Was sind hybride Veranstaltungen?

Eine runde Mischung aus On- und Offline-Elementen wird uns bei unserer zukünftigen Veranstaltungsplanung mehr beschäftigen. Hilke Posor und Tom Leppert fragen sich in Teil 2 unserer neuen Serie, was eine hybride Veranstaltung ausmacht.

Zwei Laptops stehen nebeneinander. Auf einem gestikuliert eine Frau, auf dem anderen sieht man eine Gruppe Menschen

Der Duden definiert hybrid als „Mischung; Gebilde aus zwei oder mehreren Komponenten.“ Angewandt auf Veranstaltungen würde das zunächst einmal die Mischung von Online- und Offline-Elementen bedeuten. Aber wann kann man wirklich von einer hybriden Veranstaltung sprechen?

Bei näherem Hinsehen entdeckt man, dass eine eindeutige Definition gar nicht so einfach ist. Viele von uns kennen schon aus der Vor-Corona-Zeit Veranstaltungen, die um Online-Elemente ergänzt wurden. Dazu gehören zum Beispiel Social Media-Walls oder die Einbindung von Publikumsvoten und -fragen über Mentimeter, Sli.do und Co. Diese Elemente standen in der Regel bislang nur den Vor-Ort-Anwesenden zur Verfügung. Es fehlte die Teilhabe für Menschen aus der Ferne. 

Streaming macht noch keinen Hybrid

Dem kommen schon eher Veranstaltungen nahe, die wenigstens teilweise live oder zeitversetzt per Video geteilt werden, Video-/Audio-Streaming oder Aufzeichnung heißt die Technik dafür. Immerhin geben sie Menschen, die nicht live vor Ort dabei sein können, die Möglichkeit, die Inhalte der Veranstaltung zu konsumieren. Sie können aber eben nur passiv teilnehmen und sich nicht einbringen. Es fehlt ein Kanal zur Rückkoppelung, möglichst in Echtzeit.

Unsere These: Hybride Veranstaltungen im engeren Sinne sind solche, die einen oder mehrere Kanäle zur Rückkoppelung in Echtzeit eingebaut haben, so dass die entfernten Teilnehmenden nicht nur zuschauen/-hören können, sondern wirkliche Mitmachmöglichkeiten haben.

Doch auch hier sind verschiedene Abstufungen möglich. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie sich die Teilnehmenden begegnen und wie intensiv sie zusammenwirken können:

Können Rückmeldungen nur per Text oder auch per Ton gegeben werden? Werden die Online-Teilnehmenden per Video eingeblendet? Werden online und offline in Echtzeit gemeinsam Inhalte wie in einem Workshop erarbeitet oder werden die entfernten Teilnehmenden nur punktuell über Fragetools eingebunden? Können beide Seiten miteinander diskutieren, sich engagiert austauschen? Ist die Einbindung weiterer Kollaborationstools neben Chat und Abfragen, wie zum Beispiel Mural, Miro oder Groupmap möglich? Gibt es womöglich gar eine Begegnungs- und Austauschmöglichkeit in Virtual Reality-Umgebungen?

Hybride Veranstaltungsformen sind divers

Es wird schnell klar: Die eine hybride Veranstaltungsform gibt es nicht. Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Das wird deutlich, wenn man sich die unterschiedlichen Formen von Offline-Veranstaltungen und deren Kombination mit Online-Elementen vor Augen führt. Eine Mitgliederversammlung mit kombiniertem Offline- und Online-Voting? Der Strategieworkshop mit vorgeschalteter Beteiligungsphase und Live-Übertragung? Die Plenumsdiskussion, die auf Facebook gestreamt wird? Das Barcamp mit Offline- und Online-Sessions? Die Online-Konferenz mit zugeschalteten Referent:innen und Moderation aus einem Studio? Das Teamretreat mit Gruppen, die sich an mehreren Standorten treffen, vereint in Online-Sessions? 

Wir stehen erst am Anfang der Möglichkeiten und werden in den nächsten Jahren sicher noch viele Experimente erleben. Noch gibt es nur wenig Erfahrungen mit der Durchführung von hybriden Veranstaltungen. Umso schwerer ist es, schon jetzt klare Aussagen über Tools, Methoden und Technik zu machen. Schon beim ersten Durchdenken der vielfältigen Möglichkeiten wird aber klar:

Die neue Hybrid-Welt ermöglicht völlig neue Formate und bietet tolle Chancen, Menschen auf unterschiedlichsten Kanälen zusammen zu bringen. Sie kann aber auch eine große Komplexität und neue Anforderungen an die Veranstaltungsplanung mit sich bringen.

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Tom Leppert lächelt in die Kamera, Er trägt ein blaues Jackett und eine gestreifte Krawatte.

Dr. Thomas Leppert diskutiert gern leidenschaftlich über Folgen der Digitalisierung. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Heldenrat GmbH, einem Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt auf nachhaltigem Wirtschaften und sektorübergreifenden Kompetenztransfer. Er ist Mitgründer von Heldenrat – Beratung für soziale Bewegungen e.V. und begleitet dort seit 2004 soziale Initiativen.

Bild von Dr. Hilke Posor mit blondem kinnlangen Haar und einem schwarzen Oberteil.

Dr. Hilke Posor findet ihre Erfüllung, wenn Teams über sich hinauswachsen. Dieser Leidenschaft geht sie als geschäftsführende Gesellschafterin der Heldenrat GmbH nach, einem Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt auf nachhaltigem Wirtschaften und sektorübergreifenden Kompetenztransfer. Sie ist Mitgründerin von Heldenrat – Beratung für soziale Bewegungen e.V.. und begleitet dort seit 2004 sozialen Initiativen.

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